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lingby22.03.2008 - 24.03.2008

22.03.08 (Skandinavien)

gestern kamen wir in schweden an. winter. schnee im wind, der einen fast von der strasse treibt, ein lkw hat ganz schön geschwankt.

wir sind angekommen bei sonem Jugendkongress oder so und jan unser schlagzeuger hat grad erzählt er habe keine dose wasser erhalten sondern selbiges im plastikbecher! vorher waren wir in kiel, wo trotz 25 plakaten, werbung in stadtmagazinen und im radio und kieler vorband 13 zahlende gäste kamen. willy vom prinz ist ein cooler typ, den salat den er mir machte war sooo gross. sehr nette leute und es hat spass gemacht da zu sein.


22.03.08 - Jönköping

wir sind auf ner Jugendkonferenz gelandet. Überall 14-18-jährige Kids, mal auch ein paar Ältere dabei. Wir haben "all you can eat" - karten, so Festival mäßig, um den Hals und alle sind unglaublich nett zu uns. Viel schlafen war angesagt, nach der langen zehnstündigen Fahrt von Kiel aus. Es liegt überall Schnee und es ist arschkalt. Für den soundcheck, den wir sonst in ner halben Stunde mit aufbauen zusammen machen, kriegen wir hier einfach mal 2 Stunden. Die Bühne ist so groß dass ich unsern Schlagzeuger kaum höre, während ich meinen Gitarrenverstärker zur Abwechslung mal richtig laut machen kann. Als es dann los geht sind 300-400 Jugendliche vor der Bühne und trotz Pannen hauen die nicht ab sondern applaudieren sobald letztere behoben sind. bei unserm ruhigen Lied "Falling" kann ich mir nicht verkneifen zu sagen, dass man da doch sein Feuerzeug rausholen soll (was z.B. meine Vorbilder die Scorpions öfter machen). Ich sing mit geschlossenen Augen, als ich sie aufmache, um aufs Gitarrengriffbrett zu sehen, winken viele mit ihren Handys im "Licht an" - Modus. Hab so was noch nicht erlebt, fühle mich wie ein Rockstar. Besonders die Übertragungskameras tragen ihren Teil dazu bei. Jetzt kann ich sterben, habe alles erreicht im Leben. Alles in allem ein für uns sehr geiles Konzert. Danach ist sozialising angesagt, Cd`s verkaufen und Stundenlang wird gequatscht über Musik, Gott und die Welt.
Schön hier.


23.03.08 - Vänersborg

Wir fahren durch Schnee und Eis zum Cafe Mic in Vänersborg. Die lokale Band ist schon da, es sind vier 15-jährige z.T. mit Eyeliner geschminkte quietschfidele Jungs, die in ner Art Postpunkband spielen. "Punktjiering För Bjudde" mit Namen, was so viel wie "Panne kriegen verboten" heißt und ganz groß an unser Auto geklebt werden sollte. Der Sänger sieht aus wie eine Mischung zwischen dem Sänger von Weezer River Cuomo (oder so?) und Harry Potter. Er hat eine riesen Brille an. Die Crowd sind 13-16 Jährige Girls und Boys alle so zwischen Tokio Hotel und den Misfits (also vom style her). Ich habe den Abend abgehakt und denke es ist gut, dass wir die coolen Jungs kennen lernen und vielleicht kann man von ihnen ja noch das ein oder andere coole punkriff für uns abkucken. Stattdessen kommen die youngsters bei unserm Konzert ganz nach vorn und sind vom Anfang bis zum Ende mit uns, kaufen gar Cd´s vom Taschengeld und auch die Mütter und Väter, die die Junge Meute und auch die Rockstars von morgen abholen (es ist schon neun Uhr!) sind freundlich zu uns.

tourtagebuch

Langsam ist es zum Ritual auf der Bühne geworden, mein kleines Plüschpony, das mir Judith zu Weihnachten geschenkt hat vor zu führen. Es kann wiehern, galoppieren und schnauben. Kommt gut an generell! Beim ersten Lied an diesem Abend also bei "thoughts on a cliff" spiel ich ohne Plektrum und zupfe mit der Hand. Mir war ganz wichtig möglichst energisch rüber zukommen um die crowd zu überzeugen, dass wir cool sind, obwohl wir nicht simple plan heißen. Dabei hab ich mir direkt drei Fingernägel abgebrochen beim über die Bühne toben, tat gar nicht weh, fand ich nur witzig.

Mal so nebenbei, während ich das schreibe fahren wir durch Dänemark nach Lyngby und mir fällt, dass ich noch keinen Leuchtturm gesehen habe auf der Tour (grade sah ich ein Schiff, da erreichte mich dieser Geistesblitz).


Ok, dann kam der 24.03. Örebro

Emmanuel - ein Typ den wir letztes Jahr als Tourmanager von Blindside kennen gelernt haben - hat uns das Konzert gebucht im Cafe Deed. Hier hat schon Sufian Stevens und auch Wovenhand haben hier gespielt. Wir fühlen uns gehrt, es kommen über 40 Leute und wir sind sehr überrascht, denn es ist Ostermontag. Irgendwie haben wir das Gefühl sind wir sehr willkommen hier. Wahnsinn. Ich habe damit gerechnet, dass wir im Schnitt 15 Leute im Publikum haben, stattdessen haben wir nie weniger als 35 und manchmal richtig viele. Emmanuel, der wenn es zur Aussprache seines Namens kommt gerne den französischen, gleichnamigen Film der öfter auf Sat1 nach 23 Uhr lief anführt, kümmerte sich rührend um uns. Jedes mal, wenn wir uns für Essen, Trinken, die Gage oder etwas anderes bedankten meinte er nur: "it`s Government money". Das zog sich bis zum "all you can eat" - Menü in der Kneipe am nächsten Tag.

Wir haben frei, ein so genannter "off day" mit Schneeballschlacht und David Hasselhoff. Eine Freundin unseres Gastgebers kann sich nicht verkneifen den bei uns zu Lande eine Zeit lang sehr erfolgreichen Barden durch die Stereo Anlage zu schicken. Peinliche Gespräche über den zweifelhaften Ruhm des Aufgeführten in Deutschland folgen. Trotzdem und vielleicht auch wegen den gespielten Hits "Limbo Dance" und "Crazy For You" ist es ein toller Abend in Örebro dem Zuhause von "Burning Heart Records" (wusstet ihr das?).


rückblick (deutschland)

bremen tower war ein bischen wie ein heimspiel obwohl wir nie da waren vorher, vielleicht wegen der bremer stadtmusikanten, die man an jeder strassenecke bewundern konnte. vielleicht braucht man ja doch etwas inspiration, um wirklich in hochform zu sein?

david bei dessen familie wir unterkamen war ganz grossartig und die mama hielt malte unserm vergetarischem support act (sunday parlours) direkt einen klumpen roher fleisch hin. mittlerweile sehen wir jeden abend noch vor dem schlafengehen eine oder mehrere folgen family guy. es ist wichtig, das man rituale hat als eine gemeinschaft. mir fällt auf, wirhaben sogar air condition in unserer unterkunft in jönöping im moment. hey!

im oldenburger polyester klub spielten wir (wie auch in bremen) mit martin von gravelclub (songwriter) aus berlin zusammen. das gute war, dass ungefähr jeder etwas wie graveyard oder anderer grabähliches mit dem namen verbindet, obwol es ja übersetzt schotter-oder kies klub heisst. so kamen dann auch etwa 3 schwarz gekleidete nach leichenparfum riechende gestalten und haben es sich angehört. ich glaub sie fanden es gut.

dresden war ein heimspiel sondergleichen. nachdem kai uns schon letztes jahr im dezember ins wohnzimmer dresden geholt hat und da verkaufsoffener sonnstag war d.h. es kamen 10 leute, war diesmal die bude voll. hat spass gemacht und die cocktails und der Michkaffee waren ein erlebniss. kai ist ein sau netter typ, der uns dann fleisch mit nudeln machte bei sich zu haus. mit dabei waren 2 freunde von kai. einer lief echt zu hochform an und steigerte sich sehr mit dem flachmann in der einen , dem bier in der andern hand in alte zeiten hinein in denen er als oi punk die glatzen verprügelte oder selbt von russen verprügelt wurde und dann die motorradgang seines vertrauens konsultierte um schutz zu bekommen. steckt man nicht drin..harte zeiten waren das wohl.

im Ä in berlin war wohl ein höhepunkt für uns, es gab zander mit bio kartoffeln und einer möhre, es war rappelvoll und ein sehr schöner abend. als ich vorher beim zurücksetzen mit dem mietwagen an den hinteren wagen dran kam stand die polizei neben mir. anstatt darauf zu achten ob ich einen kratzer verursacht habe, fragten sie ob ich mir mal meinen wagen ankucken kann. "kein kratzer nur ein wenig dreck weg" sagte ich.

dann noch ne kurze ermahnung vorsichtig zu sein und weg waren sie. fand ich nett. nach dem auftritt kam allerlei gutes feedback auf uns zu. das beste was ich gehört hab war:" 1986 war ich bei helge schneider, da war das genau so" oder sagte jemand, er habe den spirit von berlin mitte vor 10 jahren hier gespürt. wenn das mal keine guten komplimente oder vergeliche wären...

im kulturpalast in hannover haben wir die caro kennengelernt und waren mit lauter teenies in der "Glocke" weg um uns etwas erwachsener zu fühlen und dem nu metal und emocore ab zu schwören. zuvor beim und nach dem auftritt lernte ich ein paar jazzer kennen, die ganz wild über musik philosophierten, dabei aber keinen satz zu ende brachten und ausholten als ginge es um die boxweltmeisterschaft wenn ich ein frage stellte. sie kamen nie dazu mir die gestellte frage zu beantworten. irgendwann brachte jemand auf den tisch dass er manche cd´s als bierdeckel benutze. sogar von musik bei der andere erstaunt wären (wie kannst du es wagen?!). ich suchte mal wieder das gespräch und warf ein: "led zeppelin"? worauf mich ein mitglied der runde lange ernst anschaute und feierlich mit einem funkeln in den augen bekannte, dass er einige led zeppelin platten wirklich mit seinem leben verteidigen würde. es war zu spät das thema zu wechseln, ich war bloss gestellt.

schuldbewusst blickte ich zu boden. es war kalt, denn wir standen draussen damit die andern am gespräch beteiligten rauchen konnten. das war mein ausweg, "mir ist kalt" sagte ich und flüchtete ins warme.

 
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