tourtagebuch delbo // 06.12.2007 - 15.12.2007
06.12.07 - hamburg, ü&g
nichts im schuh.
hastig die letzten vorbereitungen, petite finesse hochladen, ausprobieren, ok geht. dann noch ein paar socken und schlüppis in den beutel und los gehts. erstaunlicherweise passt alles in den bus, man kann sogar noch hinten rausgucken. und wir gucken gerne hinten raus.
codes schreiben im bus auf der reise, das kann doch keiner lesen. das wird nur ärger und mehrarbeit erzeugen, menetekele ich düster vor mich hin. trost spendet die große packung herzen sterne brezeln.
in hamburg regnet es und wir versuchen einem taxifahrer zu entkommen, der vor uns fährt; es ist der französischste actionfilm der welt. nach aufbau und soundcheck nehmen wir zusammen mit clickclickdecker unser abendbrot ein. dann wird es ernst. clickclickdecker spielt seine schönen lieder voller leidenschaft und dann wir. um es schon mal vorweg zu nehmen: wir kommen ganz gut durch. es ist ein bißchen stockig, aber das macht wohl der anlass. sonst sind neun lieder auf einem zettel auch nichts besonderes. man hört zu, es scheint zu funktionieren. ein richtiges fest kommt danach nicht zustande. hamburg geht nach hause, vermutlich schlafen. so auch wir, es gibt da einiges nachzuholen!
07.12.07 - hannover, kulturpalast
frühstück bei knut für flo und daniel, helge schneider und ren & stimpy auf youtube, so beginnt der tag. es regnet immer noch oder schon wieder. flos schwester haben wir eine cd mit sog. r&b-musik zu verdanken. fergie, nelly furtado, sido und prince heben das busdach an. auf nach hannover!
zwischen joeys pizza und europa fashion liegt der kulturpalast und wehrt sich standhaft gegen die tristesse ringsherum. wir erledigen die übliche arbeit geflissentlich. tobi ist griesgrämig, verspricht aber, bis zum abend wieder salonfähige laune zu haben.
mit tchi, die heut mit uns zusammen spielen gehen wir zu abend essen. diejenigen von uns, die asiatisch wählen, werden es bereuen. ab jetzt lieber nur pizza oder nudeln. das rumpeln in den bäuchen ist pompöser als das rumpeln auf der bühne...
nach dem schönen konzert von tchi legen wir im vergleich zu gestern die eine oder andere kohle drauf. jetzt wissen wir ja, wo der hase lang läuft. es fetzt, meint auch das publikum. wir holen noch ein paar alte dinger aus der versenkung und dann geht dj delbo ans pult, da sind die meisten allerdings schon wieder weg. darum folgen wir der einladung von lichters vera auf eine privatfeier. allerdings bekommt man schwer den anschluss, wenn man um zwei uhr morgens eintrifft bzw. bekommt man genau das, was dann zu erwarten ist. caro, die gute fee des abends und tobi trinken eine flasche rotwein aus. ich verleibe mir eine tüte erdnussflips ein oder schieße sie mit der nase durch den raum. so sieht ausgelassenes feiern in dieser band aus.
gegen halb fünf schlagen wir in caros wohnung auf die matratzen. licht aus.
08.12.07 - münster, amp
und licht wieder an. frühstück bei caro. auf wiedersehen und alles gute! auf der fahrt bricht die sonne durch die dicke wolkenschicht, es bedarf nicht vieler dinge für ein hochgefühl. tim nutzt die gelegenheit zu erwähnen, er hätte beim gestrigen konzert in glückseligkeit gebadet. stark.
unser erster punkt auf der tagesordnung in münster ist der besuch bei radio q, wo wir ein einstündiges interview aufzeichnen. obwohl wir nach der fahrt eigentlich lieber ein bißchen spazieren würden, als das kostbare und inzwischen bereits wieder scheidende tageslicht in geschlossenen räumen zu verpassen, wird das sehr schön. es gibt sogar ein gewinnspiel. und flo ist der glückliche erste, der antwortet. glück muss man haben!
dann zum amp. es ist eine große freude, eavo wieder zu sehen. er zeigt uns den neuesten heißen scheiß an dj-ausrüstung und wir geben dafür im gegenzug ein bißchen mit geschichten vom letzten abend an. und wenig später geht es schon wieder los. leider sind nicht so sehr viele leute gekommen und unsinnigerweise haben wir uns kurz vorm konzert total runtergequatscht. bedrückt betreten wir die bühne, das kann ja heiter werden. jedoch einer glücklichen idee folgend missachten wir noch mal kurz das protokoll und bitten das publikum, mit uns die vielen sofas und sessel, die überall im amp rumstehen, vor die bühne zu wuchten. ein kurzer moment geschäftigen rumpels, schleifgeräusche, kichern. dann erwartungsvolle stille auf beiden seiten. und was nun kommt, ist zumindest für uns eins der besten konzerte, die wir jemals gespielt haben. es ist mucksmäuschenstill. eine berührende intimität füllt den ganzen raum. es wird richtig feierlich und wir sind sprachlos.
dann harter schnitt.
indiedisko bis morgens um6. um7 einschlafen. niemand stellt den wecker, obwohl wir früh los wollen. jeder hofft, die anderen kümmern sich drum. und heimlich: hoffentlich nicht.
13.12.07 - greifswald, klex
weiter geht es, die halbe woche scheinbaren nichtstuns hat uns offensichtlich geschadet: tobi kann sich aufgrund einer geheimnisvollen verklemmung kaum bewegen (und natürlich nichts schweres heben...), mir selbst schmerzt verdächtig der hals, es kratzt beim reden und die nase läuft unentwegt und unser sehr guter freund sebi, der uns als petula in den kommenden drei tagen begleiten wollte, tritt erst gar nicht an. hohes fieber und verschiedenes. schade!
wir finden das klex quasi ohne hinzuschauen. dort ist alles wie immer: elternhafte sorge um unser wohlergehen, spitzenmäßiges essen und davon reichlich. nach kurzem spaziergang durch eine menschenleere einkaufspassage kommt dann, worum es eigentlich geht. heute ist es wirklich tatsächlich mal irgendwie weihnachtlich. ein bisschen feierlich, ein bisschen offiziell und auch ein bisschen frohgemut. zwischendrin gehen sogar mal haare in flammen auf. alles ist sehr wie in familie, aber im großen und ganzen kommt es mir eh so vor, als würden wir alle mit vornamen kennen.
das knäcke-kollektif verteilt belegtes käckebrot, esther macht diskothek. wir haben uns alle noch ein bisschen lieb und freuen uns auf die zackige großraumdusche am nächsten morgen.
für mich geht es heute früh ins bett. heute bin ich mal erwachsen.
14.12.07 - halle, drushba
heimliches als-erster-erwachen und somit erstnutzungsrecht der erwähnten dusche. in einer ca. 3x3m großen duschtasse aus dunkelroter fliese gilt es nun, sich vom wasserstrahl die haut entfernen zu lassen. scheidendes sehvermögen, dampf, schaum über schaum und bei einigermaßen unnatürlicher körperhaltung das fragwürdige vergnügen, sowohl den nacken als auch das gesäß einer schrubbenden massage unterziehen zu können, führen zu konturenverlust und beinahe zur auflösung des körpers. aber was ist schon ein körper...
frühstück, abfahrt. kurz, nachdem wir greifswald verlassen, ereilt mich ein tiefer, traumloser schlaf und plötzlich ist um uns herum schon halle. im drushba ist es sehr kalt, trotz herzlichkeit, bewegung und offenem feuer sind wir daher sehr froh, als es zum essen geht. allerdings gibt es wieder etwas aus asien. flo und ich speisen mit zusammengekniffenen augen, haben diesmal jedoch glück. und sättigung versöhnt die kulturen.
zurück zum drushba. es ist etwas wärmer geworden und es sind auch ein paar leute gekommen. es werden sogar immer mehr, aber wir haben heute indie-disko-pech. uns gegenüber stehen eine handvoll zuhörer und dahinter legionen schnatternder und plappernder partymäuschen, die es kaum noch erwarten können. naja, sei es drum. über dieses konzert gibt es intern verschiedene meinungen, die unguten überwiegen.
was mich später immer wieder verwundert - und was ich auch nur aus indiediskotheken kenne - ist dieses plötzliche verschwinden von bewegung im ganzen raum, weil vermutlich das lied nicht bekannt ist oder so. und das selbst bei veritablen hits wie verstärker! warum sind denn alle hier?
und schon wieder fühle ich mich wirklich alt. zu viel krach, zu viele leute, zu viel qualm. auf wiedersehen und gute nacht. und danke stefan für das herrlich zimmer!
15.12.07 - leipzig, ilses erika
zum frühstück sind wir irgendwie verabredet oder irgendwie nicht. das sorgt für ungleiche ausgangspunkte, als wir uns schließlich zum einladen treffen, sorgt aber andererseits für schicksalhafte wiedersehensfreuden. wir halten nämlich noch an einem dieser selbstbedienungsbackwarenläden. dort gibt es detaillierte zutatenlisten und so kommen nach deren studium einige von uns in den genuss köstlichster leckereien, die aufgrund verschiedener ernährungsgrundsätzlichkeiten eigentlich für immer verloren schienen. ein tag mit einem roten herzen im kalenderblatt!
dann schnell rüber nach leipzig, ist ja nur ein katzensprung. aus dem besuch auf dem weihnachtsmarkt wird leider nichts. zu voll, das macht dann keinen spaß. im ilses erika ist es ja eigentlich auch schön, versuchen wir uns zu trösten. dort gibt es wie immer ein knappes zeitfenster für den soundcheck wegen des kinos genau darüber. es herrscht emsige betriebsamkeit, denn heute wird ratatouille gezeigt. und wir könnten es noch schaffen. später entscheiden wir uns doch für eine sichere bank: das abendessen.
nun also noch mal auf die bühne. das letzte mal in dieser reihe. und wir haben glück, es wird ein sehr schönes konzert vor einem sehr sympathischen publikum. schade, dass es so schnell vorbei ist. jetzt müssen wir wahrscheinlich bis zu irgendeiner fadenscheinigen reunion-tour warten, um das alles mal wieder in voller länge und reihenfolge zu spielen. aber das ist ja auch der süße reiz der vergänglichkeit...
hinein in die nacht! tobi aus leipzig legt tolle musik auf und der morgen ist noch fern!
Phänomene sind oftmals kaum zu fassen. Viel zu unbegreiflich und unbeschreiblich sind sie. Delbo sind derart. Es sind drei Berliner, die hier an einem Strang ziehen und eine Geschichte zu erzählen haben.











































