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Carolin Loebbert (Hamburg)
Mai 2009
Carolin Loebbert arbeitet und lebt zur Zeit in Hamburg. 2002 bis 2008 hat sie "Illustration und Kommunikationsdesign" an der Hochschule für Angewande Wissenschaften in Hamburg studiert und arbeitet seit 2004 als freie Illustratorin und Grafikerin. Neben verschiedenen Gruppenausstellungen und Veröffentlichungen in dieversen Magazinen hat Carolin unter anderem auch das aktuelle Artwork der Indieband "Ghost of Tom Joad" gestaltet.
www.carolinloebbert.de
Fotocredit: Inga Seevers
Interview mit Carolin Loebbert
Wann hast du gemerkt, dass du den Beruf Illustratorin ausüben möchtest?
Schon als ich ganz klein war hat meine Mutter mir, wenn ich nicht essen wollte, einen Stift in die Hand gedrückt und ein Blatt Papier neben den Teller gelegt. Dann war ich total seelig und begann herum zu krikeln. Während ich so herum kritzelte, konnte sie mich dann ohne Gegenwehr füttern. Als ich etwas älter war, habe ich auch ständig gezeichnet, zum Beispiel die Pferde vor unserem Haus oder ich habe Tiere aus Büchern abgemalt. Manchmal habe ich kleine Hefte mit den Zeichnungen gebastelt.
Meine Grundschullehrerin hat dann irgendwann gesagt, ich solle später Illustratorin werden. Diese Empfehlung habe ich in meiner späteren Schullaufbahn dann öfter gehört. Mein Chemielehrer sagte zum Beispiel, wenn ich die Versuchsanordnung in vielen Farben perfekt abgezeichnet hatte , » Carolin, Du kannst zwar wunderschön zeichnen, aber von Chemie hast Du keine Ahnung«. Nach dem Abitur habe ich mir einige Hochschulen für Gestaltung angesehen. Als ich die Sommerausstellung an der HAW Hamburg gesehen hatte war für mich klar: »Das willst du auch machen!«
Und war es schon immer dein Traumberuf?
Für mich gab es eigentlich keine wirkliche Alternative, bis auf ein Sportstudium vielleicht. Sport hätte ich studiert, wenn ich an keiner der Hochschulen für Gestaltung die Aufnahmeprüfung bestanden hätte. Man hat ja immer nur gehört, dass sich 1000 Leute bewerben und am Ende nur 80 Bewerber genommen werden, was mir schon Respekt eingeflößt hat. Als ich schließlich die Aufnahmeprüfung an der HAW Hamburg bestanden hatte, war das eine großartige Sache für mich.
(Falls ja) Ist er es noch immer?
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich während meines Studiums schon zwischenzeitlich mit Sinnkrisen zu kämpfen hatte. Ich glaube solche Krisen kommen generell bei einer kreativen Tätigkeit immer mal wieder vor. Da fragt man sich dann, wozu das Ganze, kann ich damit die Welt verändern und später meine Miete bezahlen? Jetzt, nachdem mein Abschluss ein Jahr zurückliegt und ich als Illustratorin arbeite, bin ich sehr froh, dass ich mein Studium durchgezogen habe. Es ist großartig so selbstbestimmt und vielfältig arbeiten zu können und ständig mit interessanten und kreativen Leuten zu tun zu haben.
Kannst du in drei Worten deinen Stil beschreiben?
Mhm, da fallen mir zwar mehrere Worte ein, aber wenn es drei sein sollten würde ich mich vielleicht für folgende entscheiden: bizarr, bunt und eigenartig oder vielleicht doch eher grell, grotesk und ungewöhnlich...
Wie entstehen deine Motive? Gibt es immer Vorgaben oder hast du freie Hand?
Das variiert je nachdem in welcher Situation ein Motiv entsteht. Wenn es sich um einen Auftrag handelt, gibt es eigentlich immer mehr oder weniger feste Vorstellungen, in welche Richtung die Arbeit stilistisch und inhaltlich gehen soll. Manchmal möchten die Kunden dann auch ein ganz bestimmtes Motiv, dass sie zum Beispiel auf meiner Webseite schon einmal gesehen haben, diese Wünsche nehme ich dann natürlich gerne auf. Wenn ich frei arbeite und neue Motive kreiere, lasse ich mich von sehr vielen Dingen inspirieren. Unter Anderem von Bereichen wie Umwelt, Natur, Fortschritt, Gesellschaft oder auch von Musik und Texten. Eigentlich von allem, was mir im Alltag so begegnet, die Inspirationsquellen sind da sehr vielfältig.
Du arbeitest auch noch für Bands (zB.: Coverartwork für Ghost of Tom Joad), Shirtlabels (graniph) und verschiedenste Magazine. Wie kam es dazu?
Die Zusammenarbeit mit Ghost of Tom Joad habe ich wohl dem digitalen Zeitalter zu verdanken. Die Band hat mich, so haben sie es mir erzählt, auf myspace entdeckt und haben dann Kontakt aufgenommen. Die Arbeit für Magazine und T-Shirtlabels u.ä. kam auf sehr unterschiedliche Weise zustande, mal über Akquise, mal über Kontakte und oft ist es so, dass die Leute meine Arbeiten irgendwo schon einmal gesehen haben.
Gibt es auch Kooperationen mit anderen GestalterInnen?
Ja - vor kurzem habe ich mit der Hamburger Fotografin Inga Seevers zusammen gearbeitet. Sie fotografiert auch sehr oft Musiker. Inga hat Porträts von mir gemacht und ich habe dazu illustriert. Das Foto, das man hier sieht ist zum Beispiel ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit. Zu Beginn des Jahres habe ich zusammen mit Nina Wirtz eine Ausstellung organisiert. Nina ist Modedesignerin und hat hier in Hamburg am Schulterblatt einen wunderbaren Laden (www.wieeseuchgefaellt.de), in dem sie neben ihren eigenen Sachen, Kleidung von jungen Nachwuchsdesignern verkauft. Immer wieder organisiert sie in ihrem Laden dann auch Ausstellungen mit Illustratoren, Fotografen und Künstlern.
Außerdem geht gerade ein großes Gemeinschaftsprojekt in Druck, das »Spring« Magazin, das wir unter Eigenregie jetzt schon zum sechsten Mal herausbringen. Das Thema des Heftes wird dieses Mal »Verbrechen« sein, an dieser Ausgabe haben 14 Zeichnerinnen teilgenommen.
Was ist noch in Zukunft geplant?
Im Sommer kommt wie gesagt die sechste Ausgabe des »Spring« Magazins heraus. Am 10. Juli wird in Hamburg im Hinterconti (Marktstrasse 40) und gegenüber im Vorwerkstift eine große Release-Party stattfinden, die ich nur sehr empfehlen kann. Außerdem arbeite ich gerade unter anderem an großformatigen Leinwänden und einer Reihe Zeichnungen und Acrylbilder. Diese möchte ich nach Fertigstellung natürlich gerne ausstellen.
Interview vom Mai 2009

