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Spaceman Spiff - ... und im Fenster immer noch Wetter
 
 

Spaceman Spiff... und im Fenster immer noch Wetter

 

Spaceman Spiff ist kein besonders guter Weltraumfahrer. Bei Konzerten steht sein Mund immer ein bisschen offen, fast so, als wäre ihm die Luft zu dünn. Den Kopf hat er nicht über den Wolken, sondern nur knapp über dem Boden, auf dem seine Füße einen Getriebenen zwischen Bühnen und anderen Teilzeitherbergen umhertragen. Die Augen hat er nicht auf die Sterne, sondern fest auf Baustellen und Unfälle entlang der vielen Großstadtstraßen gerichtet. Dass er nicht um den Mond kreist, sondern in Hamburg lebt und Musik macht, könnte daran liegen, dass eines Tages sein Raumschiff abgestürzt ist, ohne dass er dabei zu Schaden kam. Wenn er aus dem Fenster schaut und denkt, dass das auf der anderen Seite des Rahmens viel zu wenig passiert, dann setzt er sich seinen Weltraumhelm manchmal noch auf, aber eher als Taucherglocke. Früher war es darunter noch erdrückend traurig, und die „Bodenangst“ außerhalb des Radius einer Gitarre riesengroß. Mittlerweile klingt sein Blick auf die Welt nicht mehr nur resignierend, sondern gefestigt und manchmal sogar ein bisschen tröstlich. Immer noch wirkt es, als würde Spaceman Spiff am Rande eines Spektakels stehen, zu dem er eigentlich dazugehört. So wundert er sich über verzerrte Erwartungshaltungen an das Leben oder das ständige Nagen am Toast von gestern. Das Loslassen scheint seine große Stärke, und selten wurden Seile so feinsinnig durchtrennt wie auf „Schnee“. Selten wurden so schöne Brücken nach vorn gebaut wie auf „Ab heute immer jetzt“, gemeinsam mit Eva, die auch manchmal in ihrem eigenen Raumschiff lebt.

Auch musikalisch hat sich Spaceman Spiff verstärkt, so zum Beispiel mit dem Melodium seines Großvaters, das er auf dem Dachboden gefunden hat. Neben Instrumenten wie Trommeln und Cello hört man aber auch immer wieder neben die Melodie- etwa auf knarzende Masten und Möwenschreie aus Stahl und Nylon bei „Hamburg“. Erschreckend, wie nah die Musik dann auf einmal an einen heranrückt, vielleicht nicht mal weiter, als eine Gitarre reicht. Auf einmal beschlägt die Taucherglocke bei einer Tasse Tee von innen, Spaceman Spiff sagt leise „Dankeschön“ und man kann fast schon die Tür hinter ihm zufallen hören. Er mag ein miserabler Weltraumfahrer sein, ein melancholischer Tagträumer, aber er macht Musik, die so bereichernd ist, dass man ihn nie wieder in sein Raumschiff steigen lassen möchte.

timm
 

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