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Svavar Knútur - Kvöldvaka
 
 

Svavar KnúturKvöldvaka

 

Der weise alte Fußballtrainer Hans Meyer stellte einmal fest, das Positive an einer Serie von Niederlagen sei doch, dass ihr Ende mit jeder weiteren Klatsche ein Stückchen näher rückt. Niemand verliert schließlich immer - und wer fünf Mal hintereinander ordentlich auf den Deckel bekommen hat, kann sich ausgelassener über ein mit Hängen und Würgen erzittertes 1:0 freuen als jemand, der von Sieg zu Sieg eilt.

Schön und gut, aber was um alles in der Welt hat dieser kleine Exkurs denn mit “Kvöldvaka” zu tun? Nun, Svavar Knútur sieht es ähnlich wie Hans Meyer. Traurigkeit ist der Samen, aus dem alles Glück der Welt sprießt. Mit anderen Worten: Nur, wer öfter mal traurig ist, kann auch wirklich fröhlich sein. Deshalb sprühen die Songs des freundlichen isländischen Troubadours nicht gerade vor Heiterkeit, sondern widmen sich ausgiebig der Melancholie. Zum Glück nicht in einer weinerlichen Art und Weise, sondern vielmehr in Form eines aufmunternden Schulterklopfens oder einer musikgewordenen Umarmung. Sogar ein an sich so unverfängliches Stück wie “Undir Birkitré”, in dem es hauptsächlich darum geht, wie es ist, unter einem schattenspendenden Baum zu sitzen, wirkt leicht traurig, wenn man weiß, dass diese kleine Annehmlichkeit auf Island mangels Bäumen gar nicht mal so alltäglich und selbstverständlich ist. Recht simpel sind die Songs auf “Kvöldvaka” allesamt, aber dank Svavar Knúturs sanfter Stimme, die sich - wie im traumhaft schönen “Dansa” - hin und wieder in ungeahnte Höhen schraubt, und dem überlegten Einsatz von Akustikgitarre, Ukulele, Cello und Background-Chor verfehlt kein einziger seine wärmende und tröstende Wirkung.

Und siehe da: Nach rund 45 Minuten voller Besinnlichkeit schlägt die Ausgelassenheit in Form des angesäuselten “Leipzig” ein wie eine Bombe und bestätigt die Glückstheorien von Hans Meyer und Svavar Knútur eindrucksvoll. Dass Letztgenanntem außerdem ein ganz hervorragendes Album gelungen ist, macht die gewonnenen Erkenntnisse gleich noch ein wenig wertvoller.

christoph
 

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