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Manic Street Preachers - Postcards from a young man
 
 

Manic Street PreachersPostcards from a young man

 

Wenn man eine Band sucht, deren Musik eine perfekte Verschmelzung von Euphorie und Melancholie verkörpert, deren Werk erzählt, wie nah Größenwahn und Scheitern beieinander liegen, die Romantik und Radikalität miteinander in Einklang bringt, die Kunsthochschule mit Punk vereint, die Arroganz mit Verletzlichkeit verbindet, dann findet man all das bei den Manic Street Preachers der neunziger Jahre. Vier Alben lang (Generation Terrorists, Gold Against the Soul, The Holy Bible, Everything Must Go) hatten sie alles, was man sich als Teenager wünscht: Weltschmerz, Zorn, Hingabe, Romantik, Eskapismus, Rebellion. In den Nuller Jahren wurden die Manic Street Preachers dicker (James Dean Bradfield und Sean Moore) und langweiliger.

Jetzt legen sie ihr zehntes Album vor: "Postcards from a young man". Das Artwork der Manic Street Preachers war immer schon immer angenehm Art-School-inspiriert und auch diesmal ist ihnen mit einem schwarzweißen Tim-Roth-Porträt eine ästhetische Umsetzung des Albumtitels gelungen.

"Postcards from a young man" beginnt mit einem fantastischen Duo "(It's Not War) - Just The End Of Love" (To feel forgiveness, you gotta forgive, Do you see the stars or the darkness begin? You fight your war, I fought for my life. You pay your dues and I'll pay mine. It's not war, just the end of love) und "Postcards From A Young Man", was an glorreiche "Everything must go"-Zeiten erinnert. In keinem anderen Lied des Albums als in "Postcards from a young man" klingen Melancholie und die Erinnerung an verpasst Chancen so herzzerreißend. Auch die Zusammenarbeit mit Ian McCulloch (Echo and the Bunnymen) bei "Some Kind Of Nothingness" ist gut gelungen.

Der Mittelteil ist solider, generell sympathischer bis banaler Stadionpop. "Golden Platitudes" hätte Robbie Williams gut zu Gesicht gestanden, das mit Guns'N'Roses Duff McKagen eingespielte "A Billion Balconies Facing The Sun" ist zwar immer noch besser als jeder Guns'N'Roses-Song, nach Manic-Street-Preachers-Maßstäben aber schwach, "All we make is entertainment" ist ein (überflüssige) Nachklatsch zur Bankenkrise. Das von Nicky Wire gesungene "The Future Has Been Here 4 Ever" versöhnt wieder. Prognose: Außer den ersten beiden Liedern wird keines nach zehn Jahren noch so überwältigen wie das Werk der neunziger Jahre.

annette
 

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