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Wir sind Helden - Bring mich nach Hause
 
 

Wir sind HeldenBring mich nach Hause

 

„Guten Tag, wir sind wieder wer.
Wir waren Helden. Wir sind Eltern. Wir sind Getriebene. Wir sind immer noch auf der Suche. Wir sind schon weit gekommen, auch auf dem Atlas. Und wir haben Geschichten mitgebracht, kleine Fähnchen, die wir dir anstecken möchten. Da unten an deiner Hüfte, das ist Spanien. An deinem Schlüsselbein ist Chile.
Und jetzt hier, da wo dein Herz ist, da sind wir jetzt wieder.“


So haben sie sich bei mir vorgestellt vor ein paar Tagen. Und erstmal habe ich nichts davon geglaubt. Man muss nämlich schwer schlucken beim neuen Album der Helden. Und das hat im ersten Moment nichts mit Rührung zu tun, sondern mit Schock.
„Bring mich nach Hause“ schlägt mit der Axt den Märchenwald klein, was übrig bleibt hat nichts mehr mit irgendwas Vergangenen zu tun. Eine absolute Zäsur in der Bandgeschichte.

Besonders auffällig ist der musikalische Anspruch, den die Helden an ihre Lieder stellen. Die Band begleitet Judith nicht mehr nur, während sie gigantisch hohe Türme mit ihren Texten aufstellt. Die beiden sind jetzt auf Augenhöhe, und nie hat man die Helden schöner spielen gehört als auf „Was uns beiden gehört“. „Dramatiker“ hingegen zeigt am Schönsten, warum Judith im Interview sagt: „Wir sind musikalisch unglaublich zufrieden mit dem neuen Album.“- es ist ein Fest für die Ohren, wie die Instrumente den Text umsetzen- oder umgekehrt? Man denkt manchmal, da spielt eine ganz andere Band. Instrumente aus aller Welt wurden in den Bus gepackt, und man fühlt sich zwischen Klavier, Rasseln, Banjo, Glockenspiel und Akkordeon wie auf einer kleinen Weltreise, zu Hause vor den Boxen.
Problem: Da die Musik sich in den Vordergrund drängt, nimmt sie den Texten ein Stück weit die Luft. Das zu verkraften, braucht wirklich lang und wer nach dem zehnten Hören noch sagt, dass er das Album langweilig findet, hat auch erstmal recht.
Das Alleinstellungsmerkmal, das die Helden zu einer Band machte, die man mit niemandem im deutschsprachigen Raum vergleichen konnte, ist verschwunden. Und weil es drei Jahre bis zu einem Nachfolger von „Soundso“ gebraucht hat, habe ich auch wirklich lang genug nach Ersatz gesucht, um das steif und fest behaupten zu können.

Doch je länger man hinhört, desto mehr merkt man, dass die Texte einfach die Ebene gewechselt haben. Der unglaubliche Wortwitz der älteren Alben teilt sich die Rückbank mit einem viel stärkeren Drang zu kleinen Geschichten. Und auch wer nie alles für eine Liebe auf's Spiel gesetzt hat, die es eigentlich nie gab, wird „Die Ballade von Wolfgang und Brigitte“ hören und sich denken „das bin ja ich. Das waren wirklich schlimme Zeiten.“
Man muss nämlich schwer schlucken beim neuen Album der Helden. Und wenn sich der Schreck gelegt hat, dann auch wieder vor Rührung:

„Was unter Schmerzen geboren wird,
muss unter Schmerzen verloren gehen.“


Leicht zu nehmen ist „Bring mich nach Hause“ sicherlich nicht. Aber es steckt wieder einmal viel, viel Herz darin und es gibt so viel zu entdecken, als ob zwischen Punkten Linien wären.
Eines Tages bekommen die Helden doch ein Denkmal. Wenn es auch nur ein Haufen Pflastersteine ist, die haben sie nämlich von sich geworfen. Und das steht ihnen verdammt gut.

timm
 

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