StellaFukui
VÖ: 03.09.2010 // Snowhite

Nein, ehrlich gesagt, ich hätte damit jetzt wirklich nicht mehr gerechnet. Stella waren vor langer Zeit abgespeichert als „die Pop-Band im L’ Age D’ Or-Portfolio“. Stella, das waren (und sind) Elena Lange, Musikerin, Journalistin, Doktorandin (Forschungsschwerpunk Japanische Philosophie des 20. Jahrhunderts), Thies Mynther, Superpunk und der Mann an der Tastatur bei Phantom/Ghost, Autor und Produzent und natürlich Mense Reents, der auf eine Vergangenheit bei Huah!, Die Regierung, Egoexpress und eine Gegenwart bei den Goldenen Zitronen und als Solokünstler zurückgreifen kann, wenn ihn denn mal jemand seinen Lebenslauf abverlangt. Zuletzt war auch ein gewisser Hendrik Weber teil der Band. Er stieg wieder aus, um Pantha du Prince zu werden. Stella schufen mit „Extralife“, „Fingers on the Trigger fort he Years to come“ und „Better Days sounds great“ zeitlos gute Popalben, von denen die breite Masse aber leider nie etwas mitbekommen hatte. Und so verschwand die „elektronische Rockband“ (Wikipedia), die stets auch musikalisch die Summe der einzelnen Teile, also Bandmitglieder war, auch wieder. Es gab ja auch sonst viel zu tun.
Doch jetzt liegt plötzlich „Fukui“ auf dem Tisch und überrascht mit einer klaren Neuausrichtung. Stella sind sind im hier und jetzt nicht mehr Interpreten augenzwinkernder, politischer, glamouröser Pophits. Elena Lange singt auf dem neuen Album zum Großteil japanisch (der Albumtitel „Fukui“ spielt auch auf den japanischen Ort an, in dem sie eine Weile lebte und forschte), die Band musiziert weitgehend minimalistisch elektronisch. Aber „no midi, no sequencing, no computer“. Lange, Mynther und Mense Reents haben mit Klang experimentiert, ohne Ohrwürmer ausgraben zu wollen. Pflegen jetzt eine neue musikalische Verwandtschaft zur Avantgarde-Pop-Szene um Bands wie Kreidler, To Rococo Rot und Mouse on Mars. Den Nachfolgern der Düsseldorfer Schule. Das ist kein Comeback, kein Revival. Stella 2.0 schauen nach vorne. Kühl und minimalistisch.
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