PontiakLiving
VÖ: 03.09.2010 // Thrill Jockey Records

VÖ: 03.09.2010 // Thrill Jockey Records
virginia, farm, heimstudio, drei brüder machen musik, das album zudem noch selbst aufgenommen & produziert (natürlich auf einem anachronistischen 2- spur tonbandgerät). was sich erst einmal anhört wie das geheimrezept für eine erfolgreiche neo-folk platte (wie böse zungen behaupten handelt es sich beim zur zeit allerorten servierten folkkuchen übrigens um eine art neo-schwarzwälderkirschtorte), entpuppt sich bei näherer betrachtung dann aber als psychedelischer ausflug durch ein buntes sammelsurium an musikepochen und -stilen.
die band, die aus den brüdern van, lain und jennings carney besteht, mag es laut. so jedenfalls behauptet es ihre pressemitteilung. im verlauf des albums wird jedoch klar, dass die stärken der band auf diesem album vielmehr in den ruhigeren momenten liegen. songs wie “beach”, “pacific” oder “untitled” wabern träge aus den lautsprechern, und klingen trotz titel eher nach heissem sand als nach ostküste. Das tun sie allerdings sehr glaubwürdig und vor allem nie aufdringlich. grade “beach” taugt als heimlicher lieblingstrack der platte.
zwischendurch variiert sich die band durch die jahrzehnte: während der opener “young” noch bluesige classic-rock anleihen mit einem “swearing at motorists” nicht unähnlichen gesang durchaus eingängig zu verbinden weiss, besteht der zweite track nurmehr aus einem einzigen akkord, der sich anklagend und drohend mehrfach droneartig erhebt um sich dann etwas unbefriedigend im nichts zu verlieren. im weiteren verlauf von “living” folgen dann nummern, die (2-spur recording sei dank) seltsam nach einer mischung aus 70er jahre soul, garagenrock, doomigen grungegitarren und noise experimenten klingen. die wirklich lauten momente beschränken sich auf einen enorm verzerrten bass, der krachig, aber leider etwas drucklos über einem stoischen schlagzeug liegt, und einer gitarre die dazu betont hallige improvisationen abfeuert – nicht schlecht, aber weder neu noch wirklich inspiriert vorgetragen.
ein soundtrack, vielleicht für eine lange autofahrt bei nacht oder für katerfrühstücksmomente mit unmodernen freunden. aber vielleicht auch dem ein oder anderen freund von lo-fi d.i.y. produktionen eine sperrige lieblingsplatte – trotz aller kritik hat “living” dann doch auch wirklich gute momente.
Kommentare müssen nach dem Absenden per E-Mail bestätigt und aktiviert werden. Achtet daher bitte auf die korrekte E-Mail-Adresse. Kommentare die in der Vergangenheit schon einmal aktiviert wurden, werden sofort veröffentlicht.