Jacob FaurholtAre You In The Mood For Love?
VÖ: 27.08.2010 // Divine Records

VÖ: 27.08.2010 // Divine Records
Über Jacob Faurholt ließe sich ohne Weiteres die tragisch-schöne Geschichte vom scheuen Genie erzählen, das in einer sturmumwehten Hütte auf einer Insel vor Dänemark sitzt und seine traurigen Lieder komponiert. So einleuchtend diese Geschichte auch klingen mag - sie ist frei erfunden. Jacob Faurholt lebt nämlich nicht mehr in seiner dänischen Heimat, sondern in Berlin und einen depressiven Eindruck macht er auch nicht unbedingt. Immerhin ist er als Musiker, der es solo, mit dem elektronisch angehauchten Projekt Why Write? und zusammen mit Sweetie Pie Wilbur mittlerweile auf eine ganze Reihe von Veröffentlichungen bringt, recht umtriebig und die Einträge in seinem Blog, wo er über Konzertbesuche und Flohmarktfunde plaudert, tragen ebenfalls nicht gerade zum Bild des zurückgezogenen Sonderlings bei.
Trotzdem passen die Songs auf "Are You In The Mood For Love?" dann doch eher auf die abgelegene Insel als in die Welt eines ganz normalen jungen Mannes, denn Partystimmung kommt beim Hören wahrlich nicht auf. Immerhin erlaubt sich der Däne auf seinem dritten Album hin und wieder etwas vorsichtigen Optimismus, wenn er sich etwa im ganz großartigen "You Sing No Louder Than A Little Bird" - neben dem tieftraurigen „We Stole Those Years“ und dem staubtrockenen „Rusty Country Cage“ eines der Highlights der Platte - zu einem halbwegs überzeugenden "I feel good" durchringt. Ansonsten herrscht über weite Strecken gepflegte Melancholie, die mit recht wenig Schnickschnack auskommt: Jacob Faurholts warme Stimme, eine akustische Gitarre, ein satter Kontrabass und hin und wieder ein Chor, der sich anhört wie die Geister aus der Vergangenheit - mehr braucht es meistens gar nicht. Manchmal klingt das trotzdem so anmutig und eingängig, dass man als Hörer fast mit dem Fuß wippen möchte. Bevor es aber dazu kommt, haut Jacob Faurholt noch rechtzeitig die Bremse rein und löst die Glückseligkeit mit wohl gesetzten Dissonanzen schnell wieder in Luft auf. Allzu viel Fröhlichkeit wäre ja auch nur kontraproduktiv.
"Are You In The Mood For Love?" jedenfalls erinnert mit Nachdruck daran, dass der nächste Winter und das damit verbundene Stimmungstief früher kommt, als einem lieb ist. Schöner als Jacob Faurholt zieht wohl nur Christian Kjellvander runter.
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