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Bye Bye Bicycle - Compass
 
 

Bye Bye BicycleCompass

 

Der Prozess der Wertschätzung einer neuen Platte ist bei mir ein vergleichsweise langer. Es beginnt damit, dass ich irgendwo einen oder zwei Songs höre, die mich umhauen. Ich renne also auf kürzestem Weg in den nächsten Laden, picke mir ein Album raus und höre kurz in die Tracklist rein – überzeugt! Fix gekauft, nach Hause geeilt, in die Stereoanlage gelegt und dann – Ernüchterung. Immer das gleiche Spiel: Plötzlich erscheint mir kaum ein Stück richtig bombastisch, alles eher lau und austauschbar. Why the...??

Die kleinen Details, die wirbelnden Schlagzeug-Passagen, die flirrenden Gitarren bemerke ich erst nach und nach. Zwischendurch im Auto, beim Kochen, vorm Schlafengehen. In verschiedenen Situationen und Gefühlslagen. In Gesellschaft und ohne. Mit der Zeit wächst – in vielen Fällen – meine Zuneigung zur Platte und zu den Emotionen, die dabei entstehen. Eine Freundschaft ist geboren!

Als ich „Compass“ zum ersten Mal einlegte, hab ich mich gefreut, so ein schönes Album bewerten zu dürfen. Ich mochte die luftig gezupfte Indie-Gitarre, die Streicher in den Refrains, die Synthies, den leidenschaftlichen Gesang des schlaksigen Schweden André Vikingsson, den 80er-Jahre-Diskopop. An ihrem Erstlingswerk haben Bye Bye Bicycle zwei Jahre lang geschrieben und gefeilt, es schließlich mit Landsmann Mikael Glavå aufgenommen. „Compass“ dreht sich ums Reisen, um zehn verschiedene Gefühle an zehn verschiedenen Orten. Das Booklet bietet wunderschöne, abstrahierte Landschafts- und Städteaufnahmen dazu.

Und trotzdem ist mein typischer Prozess in die andere Richtung umgeschlagen. Die Liebe ist abgekühlt. Die erste Single „Northpole“, „Navigation“, „Haby Bay“, „Kairo“ – das sind alles super Songs. Für sich genommen. Aber in der Abfolge sind sie einfach zu verflixt ähnlich. Gleiche Tonart, wenig Abwechslung in der Komposition, Langweile naht mit großen Schritten. Es tut mir Leid, ihr Fahrrad-Banausen, our love is lost.

leonie
 

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