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Arcade Fire - The Suburbs
 
 

Arcade FireThe Suburbs

www.arcadefire.com

VÖ: 30.07.2010 // City Slang

 

Aus Furcht vor dem üblich gewordenen Kursieren der Lieder Monate vor der Albumveröffentlichung haben sich Arcade Fire bei ihrem dritten Album dazu entschieden, auch die Presse erst ab dem Erscheinungstag zu beliefern. Weil auch diese Maßnahme nicht geholfen hat, wurde „The Suburbs” nun doch noch wenige Tage, bevor es ab heute im Laden steht, herum geschickt. Das interessante Ergebnis davon sind in Kürze diesen „Grower“ beschreibende Texte, dessen Reize nach Aussage des Bassisten Tim Kingsbury „nicht sofort erkennbar” sind.

Aber auch ungeachtet der fehlenden Vorab-Medienpräsenz ist die Erwartungshaltung, mit der man einem neuen Arcade Fire-Album entgegen sieht immer noch immens. „Funeral“ tauchte 2010 auf den ersten Plätzen fast aller Dekaden-Bestenlisten auf, nach Erscheinen „Neon Bible's“ sprachen einige gar von den Kanadiern als der ersten globalisierten Band, sowohl was den kollektiven Schaffensprozess im kulturellen Schmelztiegel von Montreal anlangt, als auch die Weltuntergangszenarien betrifft, die Win Butler Anfang 2007 im Falsett in sein Megafon schrie. Was sich dreieinhalb Jahre später als erstes festhalten lässt: Trotz der Vorstellung eines eher angenehmen Arbeitsklimas in der Band um das Ehepaar distanziert man sich textlich kein Stück von Bomben, Tod und der Apokalypse.

Viel mehr hat sich der Fokus geändert: Von den ungeschönten Endzeitgeschichten geht es konzeptuell in das Detail der amerikanischen Vorstadt. Die Band wirft traurige Blicke hinter die Lynch'schen Schrebergartenhecken des bürgerlichen Mittelstandes, hinter denen die aus Perspektivlosigkeit resultierende Langeweile einer Vorstadtjugend offenbar wird, die sich in Gewalt und Sittenverfall entlädt (man denke an die schauderliche Atmosphäre von Korine's „Gummo“ um eine Vorstellung des Ausmaßes zu bekommen.) Diese lauernde Bedrohung wird dabei genauso versteckt thematisiert, wie sie sich selber zeigt: „The Suburbs“ sind umrahmt vom Titelstück, dessen leichte, muntere Folk-Melodie das erste und letzte der insgesamt 16 Stücke ausmacht.

Auf die Orgel und rasende Violinen, auf die sakrale Opulenz, das Achtung heischende Warnsignal, welches die beiden Vorgängeralben charakterisierte, wurde weitestgehend verzichtet. Win Butler singt stattdessen inzwischen wie der tragische Prophet, für den die Rettung bereits außer Sicht ist:

„So can you understand / Why I want a daughter while I'm still young? / I want to hold her hand / And show her some beauty / before all the damage is done / But if it's too much to ask / If it's too much to ask / then send me a son.“ (The Suburbs)

Mit dem bewussten Abrücken von der Epik ihres Klangs – bis auf das fantastische, an die alte Hysterie anknüpfende „Suburban War“ – und auch dadurch, dass sie sich gegen allzu eingängige Hits entschieden haben, haben sich Arcade Fire den Raum für ein in sich viel geschlosseneres Album aufgeschlossen. Wie damals Modest Mouse' „Good News For People Who Love Bad News“ bauen die Stücke trotz ihrer Verschiedenartigkeit alle aufeinander auf und entfalten erst in ihrer Abfolge ihre eigentliche Stärke und Schönheit, in der sogar die anfangs irritierende klassische Rocknummer „Month Of May“ ihren Platz findet. Beinahe hat man den Eindruck es müsse eine Art durchgängiger Bass-Grundton herrschen, der die Lieder vereine, aber „The Suburbs“ sind tatsächlich einfach nur die subtil-schönen Einzelmelodien, die von der Weiterentwicklung dieser noch größer werdenden Band zeugen.

sven
 

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