ikarialuxembourg
VÖ: 25.06.2010 // Cobretti Records

es ist winter in schweden. in der dunkelheit wirkt alles gleichförmig und trist. die sonne zeigt sich nur kurz und meistens verdeckt von einem grauen schleier aus sich türmenden wolken. hier in einem abgeschiedenen dorf sitzen ein paar männer und grübeln über ihren ideen, ihren songs. mit jedem ton hört man welchen einfluss diese umgebung auf die wahl-berliner hatte, während sie ihr album "luxembourg" im winterlichen schweden aufnahmen. Klangfarbe: düster bis traurig
der einstieg in "luxembourg" könnte auch ein ende sein. wenn die stimme sich resignierend und etwas abwesend über das gitarren-picking von "parabolic" legt hat man das gefühl mitten in die geschichte geworfen zu werden. ein enstieg der keiner sein will. gleich schon fällt der angenehm unproduzierte und unprätentiöse Sound auf, was den songs einen rauen charme gibt.
in der pathetischen vorab-single "transmitter" schimmert dann doch etwas hoffnungsvolles durch, ohne dass die band aus ihrem klangkosmos fallen würde. doch diese momente sind nur von kurzer dauer. "trial error" zieht das tempo an, während sich drüber ein shoegaziger gitarrensound breit macht und die stimme weiterhin wenig bis keinen trost spenden möchte. einen dezenten stilbruch gibt es mit "the waitress no. 1", der in seiner ästhetik etwas an späte fugazi erinnert und sich weniger zurückhaltend verhält als der großteil der songs. die band zeigt hier den mut nicht in harmonisch-traurige melodien einzutauchen, sondern den song in schieflage zu belassen.
das zum großteil live eingespielten album, klingt wie aus einem guss, und gleichzeitig klemmt am ende aber jede schublade die man öffnen möchte, um die band dort abzulegen. die idee des shoegaze und postrock, den großen pathos des pop, sowie die distanziertheit der post-punk und new wave-ära, wie sie von joy divison oder the cure in den achtzigern zelebriert wurde, könnten hier wegweiser sein. als brüder im geiste könnte man hier auch the national nennen, die es ebenfalls geschafft haben, viele stile und ideen unterzubringen und dabei ein rundes, geschlossenes album zu kreieren.
auf "luxembourg" wird der pathos-bogen vielleicht das eine oder andere mal etwas überspannt, und mit "seven spires" anscheinend versucht die editors in sachen "große gesten" und dramatik zu überrunden. irritierend ist das datum der veröffentlichung. ein wintereinbruch im sommer.
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