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Nic Dawson Kelly - Old Valentine
 
 

Nic Dawson KellyOld Valentine

 

Der in Sheffield geborene Nic Dawson Kelly, der nach zahlreichen Zwischenstopps in diversen Städten und Ländern mittlerweile zwischen Brighton und Reading pendelt, scheint nicht nur eine Vorliebe für Ortswechsel, sondern auch ein besonderes Faible für Reisen in die Vergangenheit zu haben. Anders ist die scheinbar aus der Zeit gefallene Wunderwelt, die der Engländer auf seinem Debüt „Old Valentine“ präsentiert, kaum zu erklären.

Während der Opener „Thursday 3-23“ mit seiner beseelten Mundharmonika und den entfesselten Rock´n´Roll-Gitarren Erinnerungen an Bob Dylans Meisterwerk „Bringing It All Back Home“ weckt, klingt Nic Dawson Kellys Stimme im blusigen „The Musician“ so jubilierend und zwitschernd wie die von Antony Hegarty. Gleich danach ist Bob Dylan wieder präsent, denn das sonnige „Under Her Mattress I Wrote This“ umweht ein Hauch von „Street Legal“, während liebliche Streicher „Marilyn“ mit einem federleichten Zuckerguss versehen. Nach ein wenig Hemingway-Romantik („All The Pretty Bullfighters“) gibt der junge Engländer im ebenso heiteren wie bitteren Titelsong den britischen Erben von Tom Waits, wenn er mit whiskeygetränktem Organ ein „so much killing, so much killing, so much dying, so much dying in such a short space of time“ krächzt. Zwischendurch bleibt sogar noch ein wenig Zeit, um mit „Adam And Eve“ quasi im Vorbeigehen einen perfekten Countrysong zu servieren, bevor sich Nic Dawson Kelly im Gospel „Ex-Lovers And Old Friends“ in einen verrückt gewordenen Prediger verwandelt, der sein Heil mittlerweile eher im Selbstgebrannten als in der Bibel sucht. Nicht nur der alte Mark Twain hätte daran sicher seine helle Freude gehabt…

„Old Valentine“ ist ein kleines Meisterwerk: Schillernd, herrlich altmodisch, erdig und bei aller Bodenständigkeit so freudetrunken und ausgelassen, dass einem beim Hören fast schwindelig wird. Ein Hoch auf Nic Dawson Kelly, den Tom Sawyer unter den Dylan- und Waits-Jüngern!

christoph
 

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