villagers

villagersbecoming a jackal

VÖ: 21.05.2010, Domino Records

Von Annett Bonkowski

der erste eindruck ist nicht selten maßgeblich. gerade bei debüts jeglicher art kann man wahlweise seinen wirkungsraum zum glänzen bringen oder ungalant auf die nase fallen. im fall des iren conor j. o'brien alias villagers ist die lage eindeutig. hier wird nicht gestrauchelt oder gar gepatzt, hier präsentieren sich elf kleine song-juwelen, die "becoming a jackal" einheitlich zu einer bemerkenswerten vorstellung werden lassen. der musikalische startschuss der villagers fällt dabei so niveauvoll und ambitioniert aus, dass schon nach ein paar minuten unschwer zu erkennen ist, dass die sich den ohren offenbarenden songs mehr wollen, als diese nur kurzweilig zu umschmeicheln. in der irischen heimat hat sich das bereits bewahrheitet, denn dort wurde das album bereits zur nummer eins gekürt. mögen manche so kommerziell erfolgreiche werke der popmusik eher zweifelhaften charakters sein, villagers brauchen sich darüber keine sorgen zu machen. "becoming a jackal" hat zurecht so viel lob eingeheimst und hält, was es verspricht. zuallererst einmal nämlich die tatsache, dass die ihm entgegen gebrachte erwartungshaltung nicht im geringsten enttäuscht wird.

der musikalische inhalt ist seiner form und thematik nach ausgewogen, reif in seinem wesen und versprüht eine dringlichkeit, der man sich keinesfalls entziehen mag und die sich auch im gesang auf wunderbare weise widerspiegelt. dabei klingt conors stimme mal wie ein sanftes schaudern, mal umschlingt sie die worte entschlossen und intensiv und haftet ihnen eine ausdrücklichkeit an, die nachhallt. sie ist auch dafür verantwortlich, dass man den ohnehin überzeugenden lyrischen ausführungen noch mehr gehör schenkt. conor versteht es seinen geschichten leben einzuhauchen, sie nachvollziehbar und ohne umschweife zu erzählen und auf direktem weg einen draht zum hörer herzustellen. man möchte angesichts der zum teil sehr schönen wortwahl am liebsten das buch zücken und sich die eine oder andere zeile als kleine lebensweisheit notieren. vor allem, weil er so oft den nagel genau auf den kopf trifft und die geschilderten situationen lebensnah erscheinen. selbst, wenn er sich seinen träumen hingibt und die realität etwas nebelig erscheint, berühren die texte auf einer ebenso wirkungsvollen ebene.

die zunächst aufkommende dramatik im opener "i saw the dead", die mit treibender piano-melodie, streichern und druckvollen drums fast schon filmmusik ähnlichen charakter besitzt, wird im laufe des albums ausgeglichen und durch vielschichtige weitere stimmungsbilder ergänzt. viele von ihnen tragen eine melancholie in sich, die das herz anschubst und kleine kratzer hinterlässt. dann wiederum überrascht conor mit leichtfüßigeren melodien, wie in "the pact (i'll be your fever)" oder einer etwas aufgelockerten atmosphäre, wie in "that day". diese mögen zwar augenscheinlich nicht mehr so getrübt wirken, verschleiern im grunde aber nur den dunklen gemütszustand der seele. in "the meaning of ritual" thematisiert das lyrische ich mit gesenktem kopf die selbstlosigkeit der liebe: "my love is selfish / and i bet that yours is too / what is this peculiar word called true / my love is selfish and it cares not who it hurts...". man kann zwischen den zeilen das gebrochene herz fast schon knacksen hören.

mögen die songs so sehr das düstere gemüt besingen, so sehr tragen sie auf gleiche weise bestimmt dazu bei das eine oder andere herz zu besänftigen oder gar zu flicken. gegen ende des albums packen die villagers mit "pieces" sogar noch einen emotionalen höhepunkt aus, der im gemäßigen tempo klagenden streichern das feld überlässt, die sich mitunter gewaltig aufschwingen und zusammen mit conors teils unschuldig, zitternder stimme, teils animalischem geheule (jackal, aha!) das album fulminant vorläufig beenden - wäre da nicht noch das schlichte, akustisch gehaltene "to be counted among men". angesichts des hohen maßstabs, den mr. o'brien hier wohlbemerkt auf dem debüt vorlegt, weiten sich die augen und vor allem die ohren. wer die tür gleich so weit aufstößt, der hat mit sicherheit noch einiges mehr im hintertürchen. die zukunft wird uns hoffentlich noch einiges mehr davon bringen.

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