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Fitzcarraldo - Lass Sein Was Ist
 
 

FitzcarraldoLass Sein Was Ist

 

Satz Eins der Presseinfo möchte mir weiß machen, ich würde bei der Beschreibung der Musik von FITZCARRALDO „an die Grenzen“ stoßen. Während ich bei solchen gewagten Sätzen an intendiert und erfolgreich Hörgewohnheiten in Schutt und Asche legende Rock-Dekonstruktionen der Marke THROBBING GRISTLE, U.S. MAPLE oder KAYO DOT denken muss, bekomme ich nach dem Drücken der Play-Taste meines CD-Spielers einen höchst standardisierten, ultrazahmen Instrumental-Rock zu Gehör, der nicht einmal im Ansatz versucht eigene Wege auszuloten, sondern schlichtweg schon tausend Mal dagewesenes neu aufkocht.

Im Nebensatz von Satz Eins der Packungsbeilage wird dann behauptet, „Lass Sein Was Ist“ würde mich gar „an die Grenzen des eigene Bewusstseins“ bringen. Ich höre wieder hin und stelle fest, dass die Scheibe gefällig, anbiedernd nett dahin plätschert und damit gerade mal so überhaupt ein Funken Aufmerksamkeit zu erregen schafft. Wohl kaum die Art von Grenzerfahrung die gemeint war. Verwundert lese ich weiter - und stolpere in Satz Zwei über die Behauptung, die Band würde mit „allen bekannte Strukturen und Konventionen [...] brechen“. Spätestens jetzt fühle ich mich echt veräppelt: Die Band spielt brav und stringent in ultragraden 4/4-Takten und klarer Dur-Tonalitäten; das Ganze ein wenig aufgepeppt durch studiotechnische Effekthaschereien, wie endlos dengelnde Delays und bollerigen Schlagzeugsound. Für einen Vergleich muss ich weder lokal noch historisch großartig in die Ferne schweifen: Das hab ich so im letzten Jahr schon von den Westfalen LONG DISTANCE CALLING in Form von „Avoid The Light“ zu Gehör bekommen. Hüben wie drüben weit und breit kein Bruch mit Struktur oder Konvention.

Nachdem Satz Nummer Drei dann empfiehlt ich solle die Musik so zulassen, „wie sie als Ganzes erscheint“, lege ich das eh nur mit grober Unzulänglichkeit langweilende Infoblatt beiseite und höre die Scheibe brav zu Ende. Ich kann aber auch im weiteren Verlauf nichts von der in den Sätzen Eins und Zwei versprochenen Großspurigkeit entdecken. Allerdings stoße ich nun in der Beschreibung von „Lass Sein Was Ist“ tatsächlich an meine Grenzen: Denn trotz dem ich jeden Monat fünf bis zehn als „progressiv“ oder „experimentell“ (gern in Kombination mit dem Wort „Postrock“) deklarierte Scheiben zugesand bekomme, die in der Mehrzahl so gar nicht progressiv oder experimentell sind, sondern lediglich in den letzten vierzig Jahren der (Pop-)Musikgeschichte entwickeltes wiederkäuen (Ja, Prog-Rock und experimentelle Instrumentalmusik sind Entwicklungen der späten 1960er Jahre!), versuche ich doch stets neue, erläuternde Worte zu finden, die all das oft gar nicht mal schlechte, aber immer wieder erschreckend gleiche und nichtssagende beschreiben. Langsam gehen mir dafür die Worte aus; ich fange an, mich in den Beschreibungen des sich ständig Wiederholenden zu wiederholen. Und so muss ich am Ende einsehen, dass die Presseinfo zumindest in einem Punkt recht behalten hat; zwar auf eine sehr unfreiwillige und komische Art, aber sie hat recht!

kon
 

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