Foalstotal life forever
VÖ: 07.05.2010 // warner music

zum zweiten mal holen foals aus und pfeffern uns ihre musikalischen ideen um die ohren. "total life forever" ist wahrlich keine bauchlandung geworden, sondern vielmehr ein gelungener höhenflug, der sich schon mit dem ersten album angekündigt hat und nun noch ein stückchen weiter hinauf in richtung himmel führt. dabei hat sich das quintett aus oxford nicht auf ihren ehemals sehr erfolgreich eingeschlagenen weg verlassen. stattdessen beweisen foals mit dem nachfolger zu "antidotes", dass es ihnen viel zu sehr in den fleissigen, kreativen fingern juckte, um sich zu wiederholen. ihre wurzeln haben sie zwar nicht vergessen, jedoch scheint ihr hauptaugenmerk nun verstärkt darauf zu liegen, dass die hektik und komplexität der ersten platte etwas ausgebügelt und dafür durch eine gezieltere ausbalancierung der elemente und strukturen vorgenommen wird. foals laufen jetzt nicht mehr sofort mit dem kopf durch die wand, sondern besinnen sich im ausgeprägteren maße und bewusst auf das, was vor ihnen liegt. die räumlichen und zeitlichen strukturen werden aufgebrochen und ihnen wird insgesamt mehr freiraum gegeben als zuvor. dadurch ermöglicht die band ihren songs eine generell viel weitläufigere und zudem spannungsvollere entwicklung. diese kann man meist ebenso wenig vorhersehen oder in eine schublade zwängen wie den unbändigen drang sich beim hören auf vielfältige weise abwechslungsreich unterhalten zu fühlen.
foals haben auf ihrem weg zum zweiten album der emotionalität, sei es musikalisch oder auch gesanglich, mehr spielraum zugestanden und überzeugen vor allem dadurch, dass sie mehr denn je wissen, wann sie in den songs mit zum teil epischer länge diese emotionale leine locker oder straff ziehen müssen. wurde ihrem debüt noch das mathrock-label aufgedrückt, so verabschieden sie sich nun bei "total life forever" davon und wenden sich mit viel leichtigkeit und weniger zappelig der tanzfläche in wohldurchdachter, aber ebenso wirkungsvoller manier zu. nicht jeder song will in zwei sekunden seine gesamte energie verpulvern und trotz der bewusst eingesetzten temporären zurückhaltung, wohnt jedem song trotzdem diese liebgewonnene explosivität inne, die einen mit sicherheit irgendwann doch überfällt. mit "spanish sahara" zögern sie diesen moment fast bis auf's unermessliche hinaus und schaffen eine wahre spannungsbombe, die erst nach ein paar minuten mit dem wohlverdienten druck hochgeht. zu beginn des albums weht der gesang von yannis philippakis samt besinnlicher gitarrenmelodie noch saft an unsere ohren bis sich "blue blood" aufschwingt temporeich und mit steigender dynamik langsam aus dem sicheren nest zu wagen. beim folgenden "miami" wird dann nicht lange gefackelt und sofort ein funkiger groove im gemäßigten tempo unter's volk gemischt, dessen wesen recht subtil, aber ungemein nachhaltig ist. der titelsong "total life forever" schließt sich dieser spur an und zeichnet sich durch seine unverbissenheit aus.
"black gold", hingegen, startet mit einer unterschwelligen dringlichkeit und strahlt harmonisch eine friedliche gesinnung aus, die aber im verlauf des songs aus den selbstgesteckten grenzen ausbricht und spätestens in der zweiten hälfte auf allen ebenen eine immense dichte schafft. diese findet sich auch bei "this orient" wieder, dessen charakter vor allem durch die prägnante spielweise der instrumente aufsehen erregt. staccato ohne widerrede. einen im gegensatz dazu kurzweiligen, kleinen ruhepol bietet dafür das piano-getränkte instrumentalstück "fugue", welches nochmal das tempo rausnimmt bevor "after glow" die schuhsohlen beinahe auseinander reisst, weil die ekstatische, elektronische fahrt kaum zu bremsen ist. diese führt das album dann auch im restlichen verlauf in eine art trance zustand, der ohne nebenwirkungen mit voller kraft ausgelebt werden darf. auch wenn "total life forever" sich überraschend deutlich vom vörgänger absetzt, darf man foals einen anerkennenden klaps auf die schultern geben, denn sie haben sich ohne verluste aus der ehemaligen schublade gezwängt, ja diese sogar mit gewinnbringenden innovationen und einem großen sprung nach vorne verlassen. wer weiß, ob sie sich nicht schon mit dem nächsten sprung noch mehr absetzen und dem rest davon laufen werden.
Kommentare müssen nach dem Absenden per E-Mail bestätigt und aktiviert werden. Achtet daher bitte auf die korrekte E-Mail-Adresse. Kommentare die in der Vergangenheit schon einmal aktiviert wurden, werden sofort veröffentlicht.