The National

The National High Violet

VÖ: 07.05.2010, 4AD

Von Sven Lüder

The National waren schon immer ein Traum. Eine schöne Vorstellung, gebrochen durch die melancholische Realität des erwachenden Träumers. Es ist die im Bariton des Sänger Matt Berninger vertonte Sehnsucht nach einer in modernen Zeiten verlorengegangen Romantik. Die Liebe zu wahrer (und vergangener) lyrischer Bedeutung enttarnt sich dabei schon in der Wortwahl, die zeitlose Epik von „sorrow“ und „terrible love“, die Feststellung „Famous angels never come through England“, das hymnische „I'm afraid of everyone.“ Nun wäre das schlechterdings pathetisch zu nennen, würden The National sich nicht in jedem Lied auch zu einer diese Träume enttarnenden Desillusionierung aufschwingen, denn genau das ist die Stärke dieser Band und die Begründung ihrer Eleganz in aller Melancholie: „I'm afraid of everyone / With my shiny new starspangled tennis shoes on.“

In der Entwicklung seit 2001 hat sich für die zugezogenen New Yorker vor allem das eigene Bewusstsein für diese subtile Schönheit hervorgekehrt, was das fünfte Studioalbum „High Violet“ am bisher ausgeprägtesten beweist. Seit „Alligator“ wird nicht mehr geschrien, weil Stücke wie „Abel“ oder „Mr. November“ trotz ihrer beeindruckenden Intensität letztendlich doch Abbilder einer verunsicherten Suche waren. Genau diese Ruhelosigkeit verschwand dann mit „Boxer“ schon gänzlich: Keine Fragezeichen mehr im Land, sondern die Einsicht vom „Fake Empire“, vertont in treibender Harmonie. Inzwischen haben die Botschaften den Status von Hymnen erreicht, ohne große Gesten wohlgemerkt, ohne Chor und dergleichen, aber mit der Überschwänglichkeit großer Enttäuschungen. Gefühle, die man nicht länger in sich behält und mit seiner Unerfahrenheit zu unterdrücken sucht, sondern Zustände für die der umgangssprachliche Himmel angeklagt wird.

Instrumental bewegt sich das Quintett auf dem neuen Werk dabei wieder in diesem zwielichtig-verregneten Milieu: Dem im Hintergrund stürmenden Schlagzeug, den ganz nahen verhallten Gitarren sowie untermalenden Streichern. Über allem Berningers das ganze Geschehen beherrschende poetische Reminiszenzen. Davor die glücklichen und gedankenverlorenen Gesichter der Zuhörer: Keine andere Band, deren Hype so gerechtfertigt, wie versteckt und zärtlich ist.

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