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broken social scene - forgiveness rock record
 
 

broken social sceneforgiveness rock record

 

spannt man sein publikum mit einer deftigen wartezeit bis zum nächsten album auf die folter, dann sind einem zwischendurch entweder die ideen ausgegangen oder man hat so einen haufen großartiger einfälle, dass es eben seine zeit braucht bis man sie auf albumlänge komprimiert bekommen hat. broken social scene gehören mit absoluter sicherheit zur zweiten sorte musiker, was schnell deutlich wird, wenn man sich ihr neuestes werk "forgiveness rock record" zu gemüte führt. schon nach einer handvoll songs steht felsenfest, dass die rasselbande aus kanada mit etwas großem um die ecke kommt und dieser eindruck verfestigt sich mit jedem stück ein wenig mehr. auch wenn die vierzehn songs auf dem album ihrer form nach kein einheitliches netz spannen, was ihren ausdruck oder ihre klangfarbe angeht, so sehr drückt sich einem der gedanke auf, dass hinsichtlich ihrer entstehung nichts dem zufall überlassen wurde. es mag vielleicht nicht gleich ein masterplan dahinter stecken, jedoch zeugt das vielschichtige und einnehmende wesen der stücke von einer gründlichen portion raffinesse, die die musikalische trickkiste in seiner dimension gewaltig ausfüllt, wenn nicht, sogar zum überlaufen bringt.

broken social scene warten nicht nur live auf der bühne mit einer unglaublichen präsenz auf, was die anzahl der mitwirkenden musiker angeht, sondern spielen auch im studio ihre trumpfkarte aus, wenn sie sich an die aufnahmen der songs machen, die ebenso abwechslungsreich, frisch und progressiv anmuten wie das künstlerische potenzial der band vermuten lässt. allein der opener "world sick" hält gleich eine ganze stange dieser eigenschaften bereit und eröffnet die akustische sause mit einem fulminanten start. mithilfe von sanft anmutenden gitarren, die spielerisch die melodie tänzeln lassen und zunehmend an dynamik gewinnen, erscheinen die fast sieben minuten überraschend kurz und leiten perfekt in das darauf folgende "chase scene" über. in diesem ist der name programm, da sich der ausgerollte elektronische teppich samt streichern, bläsen und mehrstimmigen gesang eine verfolgungsjagd zu liefern scheint, die immer mehr an dramatik gewinnt bevor sie schließlich ihr ende findet.

ungeheuer temperamentvoll und flott läuft einem "forced to love" fast davon und überrumpelt einen mit seiner phasenweisen wilden art, die durch die kühnen gitarrensoli bestimmt wird bevor in "all to all" eine gedämpftere atmosphäre die überhand gewinnt, in der anschmiegsame vocals und streicher das bild weich zeichnen. "art house director", hingegen, zieht das tempo mit einem bläser ensemble erneut tüchtig nach oben und wirft dem hörer mit einem neckischem zwinkern die töne vor die ohren, um sich anschließend mit ihnen aus dem staub zu machen. großes erwartet einen auch in "sentimental x's", welches sich mit gleich drei schönen stimmen, nämlich von amy millan, leslie feist und emily haine schmücken darf - unerhört gut, wenn man sich zwischen so viel talent gar nicht erst entscheiden muss. gibt sich ein großteil des albums aufgeweckt und wahrlich vor lebensfreude sprühend, so haben broken social scene zum abschluss noch eine überraschung parat und beschließen "forgiveness rock record" mit einem seufzenden, melancholischen schritt in die entgegengesetzte richtung. broken social scene machen so gut wie vor nichts halt, glänzen nach langer abwesenheit mit stilistisch ansprechenden und irrsinnig schmeichelnden melodien und überzeugen nach wie vor durch ihre reichhaltigen songs.

annett
 

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