ElyjahPlanet, Planet
VÖ: 20.11.2009 // Klimbim Records

Fünfzehn Schüsse. Bei mir zumindest. Einer trifft genau, oben rechts ist eine erstaunliche Anhäufung. Insgesamt kann man aber von einer ausgewogenen Balance sprechen; kein professionelles Trefferbild, eher ein ästhetisches. Und das zieht sich durch, über viele Seiten, ein ganzes Buch, zwischen den hinteren Blättern das gefährliche Blei, das wiegt. Dann eine Photographie, ca. spätes 19. Jahrhundert, drei Jäger in ihrem Sonntagsgewand sind zu sehen, erst dann stößt man zur CD und zur Musik, kurzzeitig vergessend, dass alles Andere nur eine der aufwendigsten und durchdacht-liebevollsten Verpackungen ausmachte, die man je bei einem Debüt gesehen hat.
Jetzt lese ich – und es scheint mir wichtig zu betonen, dass ich dieses mal nicht in ein verallgemeinerndes 'man' rutsche, ein ich, dessen Verknüpfung zum Namen der unter dieser Rezension steht, allerdings unwichtig ist, ich stattdessen einfach als Mensch mit individuellen Wahrnehmungen, Erfahrungen und Meinungen - in der Pressemitteilung lese, dass Elyjah ihren Proberaum mit dem Satz beschrieben: „Da spielen drei Musiker in einem Raum und in der Mitte entsteht Musik.“ Eine Aussage der Berliner, deren bodenständige Schlichtheit scheinbar ganz im Widerspruch zum pompös aufwendigen Artwork steht. Aber steht sie?
Natürlich nicht. Der Satz: „Ich mache Musik“ meint nicht die Möglichkeit mit Besonderheiten und Neuem in eine Konkurrenz oder Vergleichbarkeit zu rutschen, gar ein neues Genre zu etablieren, gar berühmt zu werden; er meint: „Ich drücke mich aus, so wie ich es für richtig halte“ und Elyjah haben es sozusagen ganz zielsicher bemerkt, dass diese Sicht verloren gegangen ist; dass die Erwähnung des Bandnamens nur noch drei Atemzüge später eine Reihe von einrasternden und hoffnungslos kategorisierenden Genrebezeichnungen zur Folge hat und die Musiker dabei fast in Vergessenheit geraten. Elyjah ...so Indie-Post-Rock. Ich fahre fort: Bernd Große Lordemann, Robert Oeser und Martin Helm, die intime und auch heimlich, wenn man ihr Album „Planet, Planet“ erst einmal kennen gelernt hat, mitreißende Musik machen, haben mit melodiösen Gitarrenstürmen, Spannungsbögen und eindringlich-sehnendem Gesang ihr Debüt komponiert, das nur sie so komponieren konnten!
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