Nils Edenloff unterscheidet sich im Prinzip nicht allzu sehr von unzähligen anderen Singer/Songwritern. Auch der Kanadier, der vor ein paar Jahren vom ländlichen Alberta nach Toronto zog, um sich dort als Musiker zu versuchen, ist ein introvertierter junger Mann, der am liebsten zur akustischen Gitarre traurige Lieder über Sehnsucht, Herzschmerz und ähnliche Themen singt. Genau diese Songs gibt Nils Edenloff zusammen mit seinen beiden Mitstreitern Amy Cole und Paul Banwatt auch auf "Hometowns" zum Besten. So weit, so unspektakulär? Weit gefehlt, denn The Rural Alberta Advantage haben mit konventionellem Songwritertum nicht allzu viel am Hut, sondern sind weit experimentierfreudiger und aufregender als die meisten ihrer Kollegen.
Schon der Opener "The Ballad Of The RAA" macht deutlich, wohin die Reise geht, auf die uns das Trio auf seinem Debütalbum nimmt. Zu Beginn gibt es hektische Drums, Cello und Glockenspiel, am Ende singt Nils Edenloff zur Akustikgitarre "all these things will pass / it´s the good ones that will last". Spätestens da ist man geneigt, den Kanadiern ein offenes Ohr zu schenken. Diese Aufmerksamkeit wird belohnt, denn schon das folgende "Rush Apart" und das noch grandiosere "The Dethbridge in Lethbridge" lassen einen nicht mehr still sitzen. Hat man sich erst einmal komplett in "Hometowns" hineingehört, holen The Rural Alberta Advantage ganz weit aus und hauen uns mit "The Deadroads" und "Drain The Blood" die zwei mitreißendsten und eingängigsten Stücke des ganzen Albums um die Ohren. Verschnaufpausen gibt es keine, was zum einen dem hypernervösen Schlagzeugspiel von Paul Banwatt geschuldet ist, das im Zusammenwirken mit dem eher gemächlichen und verträumten Gesang von Nils Edenloff ebenso unkonventionell wie faszinierend klingt. Zum anderen achten The Rural Alberta Advantage stets darauf, ihre Stücke nicht allzu weitschweifig anzulegen, sondern in knapp drei Minuten auf den Punkt zu kommen, was für zusätzliche Dynamik sorgt. Diese Spannung kann das Trio zwar gerade in der zweiten Hälfte der Platte nicht durchgängig halten, aber letzten Endes findet sich auf dem Album kein einziges schwaches Stück und selbst zurückhaltende Songs wie "The Air" und "In The Summertime" sind immer noch äußerst hörenswert. Dass The Rural Alberta Advantage nun bei Saddle Creek untergekommen sind, nachdem sie "Hometowns" im Jahr 2008 schon einmal in Eigenregie veröffentlicht hatten, ergibt angesichts der aufgekratzten Musik des Trios, das immer wieder an arrivierte Saddle-Creek-Bands wie Two Gallants, Cursive oder gar The Faint erinnert, durchaus Sinn.
Ähnlich mitreißende und tanzbare Alben wie "Hometowns" findet man im Folk-Regal der Plattenläden jedenfalls nur äußerst selten.
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