„Gespenstisch“ ist wohl das erste Wort, das einem beim Anhören von "Safe Haven" einfällt. Den beiden Schwestern Johanna und Nina Piroth aus Stockholm gelingt es auf ihrem zweiten Album nämlich, von Anfang bis Ende eine einerseits einnehmende und warme, andererseits aber auch leicht bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen. Im Grunde ist die Basis aller Stücke zurückhaltender, überwiegend akustischer Folk, doch stets schwingt etwas Unbestimmtes und Geheimnisvolles mit, das eher eine vage Ahnung bleibt als etwas, das sich mit Worten beschreiben lässt. Gerade das aufwühlende "Trans-Siberian Express" und das deutschsprachige "Irgendwo", das das Album abschließt, jagen einem jedenfalls wohlige Schauer über den Rücken.
Maßgeblichen Anteil an der faszinierenden Anziehungskraft, die von "Safe Haven" ausgeht, haben die großartigen Stimmen von Johanna und Nina Piroth, die sich mal harmonisch ergänzen, an anderer Stelle dagegen spannende Kontraste schaffen. Auch die Tatsache, dass sich das Album trotz des allgegenwärtigen Folk-Einschlags auch an Einflüssen aus zahlreichen anderen Musikrichtungen wie Jazz, Alternative-Rock, Pop und sogar etwas Punk bedient, sorgt dafür, dass die zwölf Stücke immer abwechslungsreich und für eine Überraschung gut sind. Wo genau sich die Piroth-Schwestern, die ihre Platten auf ihrem eigenen Label Oma Gusti Records veröffentlichen, am Ende musikalisch einordnen lassen, bleibt beinahe so ungefähr wie ihre vielschichtigen Songs. Irgendwo zwischen Coco Rosie, Sophie Hunger und Tegan & Sara findet sich aber auf alle Fälle ein würdiges und sicheres Plätzchen für "Safe Haven".
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