So viel ist sicher: Die Schublade bleibt zu und der Stempel in sicherer Entfernung. Zu wenig gewöhnlich ist das selbstbetitelte Debüt des Ein-Mann-Projekts “Culture Reject” hinter dem sich der Kanadier Michael O'Connel (zuvor “Black Cabbage”) verbirgt. Zu wenig einordenbar ist die Mischung aus bodenständigem Indierock, -pop und diversen Einflüssen der flirrenden Weltmusik. O'Connel seines Zeichens Multi-Instrumentalist und laut Pressemeldung offenbar Könner eines jeden nur erdenklichen Instruments, dass einen Laut von sich gibt war im konkreten Fall nicht gänzlich alleine. Unterstützt wurde er bei den Aufnahmen von einigen Freunden, die ihres Zeichens Meister ihres Fachs zu sein scheinen. Und da sind wir fast schon wieder bei Kanada und seinen derzeit nur so spriessenden Musikerkollektiven.
"Culture Reject", wörtlich übersetzt “Kultur Ausschuss” lautet das Konzept. Das resultierende ist etwas Besonderes. Knapp 35 Minuten verbringt der Hörer mit einem Individuum, dass in seinem hedonistischen Dasein, immer wieder sehnsüchtig und verloren zu sein scheint. Die Sehnsucht wird greifbar, berücksichtigt man die bisherigen Erlebnisse und Einflüsse dieses Lebens. Als Ontario musikalisch zu klein wurde bewirkten Aufenthalte in Afrika und Kuba die Erweiterung des musikalischen Horizonts O'Connels und gaben seinen Ideen neues Futter. Immer wieder fand er sich in nachbarschaftlichen Jam-Sessions, unterstützt von einheimischen Musikern, die seine Stücke mit neuen Instrumenten und Rhythmen ergänzten, wieder. Dies färbte ab, man wurde experimentierfreudiger, blieb jedoch immer im Indierock verwurzelt.
"Inside The Cinema", der für mich eigentliche Opener des Albums gibt mit einer simplen, aufbrausenden Melodie, Bläsersätzen und Hintergrundklatschen die Fahrtrichtung an. In Gedanken weit davon, nur physisch begrenzt durch die eigenen vier Wände. “Overflow” und “Hong Kong Beach Part 1” tragen Havanna im Geiste und lassen stellenweise die damit verbundenen Klischees aufblitzen, ohne auch nur angrenzend kitschig zu wirken. Das Album ist abwechslungsreich und durch die immer wieder eingebrachten Zitate der Weltmusik erfrischend anders. O'Connels Stimme, die sich zwischen Isaac Brock („Modest Mouse“) und James Mercer („The Shins“) bewegt passt schlicht und einfach zu den Stücken.
„Culture Reject“ ist eine Mischung aus lässigen Grooves, Soul, Gitarrenklängen und einfachen Percussions die O'Connel von seinen Reisen um die Welt mitbrachte. Und diese Mischung ist es, die den Hörer von Anfang an nachhaltig in ihren Bann zieht.
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