The Low AnthemOh My God, Charlie Darwin
VÖ: 28.08.2009 // Bella Union

Ach ja, wie schön! Hört man sich „Oh My God, Charlie Darwin“ entspannt im Sessel lümmelnd mit Kopfhörern an, kann es leicht passieren, dass man schon nach wenigen Minuten in einem Dämmerzustand zwischen Wachsein und Schlaf schwebt. The Low Anthem aus Providence umschmeicheln einen auf ihrem zweiten Album zuerst mit himmlischem Falsettgesang („Charlie Darwin“) und gleich danach mit dem sanften „To Ohio“, dem wohl schönsten Song der Platte, in dem Ben Knox Miller einer auf dem Weg von Louisiana nach Ohio verflossenen (oder gar verstorbenen?) Liebe hinterher trauert. „Now every new love is just a shadow“ heißt es da, und wem so eine Zeile nicht ans Herz geht, den kann wohl gar nichts mehr berühren.
Und just, als man sich auf noch mehr Streicheleinheiten für die Seele eingestellt hat, schlägt die Platte eine komplett andere Richtung ein, die einen aus dem Sessel hochschrecken lässt. Ben Knox Miller säuselt auf einmal nicht mehr, sondern keift und rumpelt, als würde er jeden Morgen mit Whiskey gurgeln. Die Musik dazu ist deutlich lauter, aggressiver und hört sich nach einer zünftigen Kneipenschlägerei an. Nach dem formidablen „The Horizon Is A Beltway“ und dem Tom-Waits-Cover „Home I’ll Never Be“ glätten sich die Wogen dann wieder ein wenig und die ruhigeren Folk-Töne dominieren dann abgesehen von wenigen Ausnahmen wie dem rock´n´rolligen „Champion Angel“, in dem der wandlungsfähige Ben Knox Miller auf einmal wie Bob Dylan näselt, bis zum Ende der Platte. Diese hält in ihrem weiteren Verlauf noch einige große Momente bereit. Das wundervolle „(Don´t) Tremble“ etwa mit seiner verzweifelten, aber gnadenlos aufrichtigen Liebeserklärung "If your heart is unemployed / Do not rush but do not stall / For I am waiting", „Cage The Songbird“ mit an die Fleet Foxes erinnerndem Harmoniegesang und den herrlich altmodischen Gospel-Song „OMGCD“.
Letzten Endes sitzt man dann doch wieder beruhigt und entspannt in seinem Sessel, beseelt von so viel Schönheit und zwinkert vielleicht auch eine kleine Träne weg. Die letzten zwei Jahre brachten uns eine schier unüberschaubare Menge an mehr oder weniger hörenswerten Folk- und Americana-Platten. Den beiden College-Freunden Ben Knox Miller und Jeff Prystowsky sowie der 2007 zu The Low Anthem gestoßenen Jocie Adams aber ist mit „Oh My God, Charlie Darwin“ zweifelsohne eine der besten davon gelungen.
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