Alcoholic Faith Mission421 Wythe Avenue
vö: 24.04.2009
web: www.myspace.com/alcoholicfaithmission
label: PonyRecords
Sie sind richtige Männer. Tragen Flanell-Karo und Haar bis ins Gesicht. Sie hüllen ihren Bandnamen in ein sagenumwobenes Moment der Offenbarung in Brooklyn. Das ist im rauhen New York. Eigentlich sind die beiden aber aus dem noch viel rauheren Dänemark. Echte Kerle eben, die sich in einer Sekunde der Entschlossenheit in eine musikalische Inkarnation hineinstürzen und da einfach mal ihr Ding durchziehen.
So viel erst einmal zur Selbstdarstellung, die verheißungsvoll männlich klingt, nach harten Gitarrenbrettern riecht und sich schwitzig anfühlt. Im großindustriellen Karma eines Brooklyner Fabriklofts auf der 421 Wythe Ave., so auch Titel des Zweitwerks, ist jedoch etwas einer eventuell aufkeimenden Erwartungshaltung grundsätzlich Entgegengesetztes entstanden: Ein großes Stückchen Innehalten auf einem Sprung in der Schallplatte, irgendwo zwischen zwei Zeiteinheiten, zwei Gedanken, einem Ein- und wieder Ausatmen. Das liegt zu einem nicht unerheblichen Anteil sicherlich an der wohltemperierten Stimmlage der Singenden, die sich hautnah an Sigur Ros - allerdings in herkömmlicher Sprachanwendung -heranpirscht.
Musik, die sich nicht entscheiden kann, die einfach da verharrt, wo sie sich gerade wohlfühlt, weil es dort schön ist. Solche Songs tragen Titel wie „Guilty Scarred Eyes“, „We have all our shortcomings” oder “Escapism” und reflektieren mit Bedacht über eigene Grenzen und die kleinen Unzulänglichkeiten, die uns manchmal vom nächsten Schritt abhalten. Und skizzieren dabei eindrucksvoll, wieviel Raum in ihnen steckt, sofern sich der Zögernde auf sie einlässt. Kleine Parallelwelten, in denen sich Monotonie selten farbenfroher angehört hat. Charakteristisch sind kleine, immer wiederkehrende Themen, die von akkustischer bis elektronischer Interpretation alles mit sich machen lassen und dabei nie in Nervosität verfallen. In weit geringerem Personalaufwand marschiert man dabei rücklings an den Harmoniemeistern Arcade Fire vorbei und hinterlässt nicht minder monumentale Stücke. Doch selbst die Mitreißer des Albums wie „Did you eat?“ verlassen dabei nie ihr grüblerisches Terrain, denn zum Abheben gibt die Schwere der Lieder selten Raum.
War das erste Album der New Yorker Dänen noch ein Kritikerliebling, so wächst dieses hier zum Meilenstein für Nostalgiker, Tagträumer und Slow-Mo-Fanatiker heran. Moment noch, können wir das kurz genießen, ja?
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