um aufmerksamkeit buhlen, muss beth ditto samt ihrer band gossip nun wirklich nicht mehr. sie scheint ihr nur so zuzufliegen seit sie mit dem vorzeige-hit "standing in the way of control" den tanzflächen weltweit so einiges abverlangt und den durchbruch geschafft hat. da mag sich beth ditto noch so oft vor einem in extase schwelgenden publikum entblättern, provokant und ebenso freizügig auf dem cover von eingängigen englischen musikmagazinen posen bis einem die kinnlade herunterfällt oder als neue muse von karl lagerfeld das mode business in aufruhr versetzen - sie erzeugt mit ihrer stimmgewalt und zusammen mit ihren musikalischen mitstreitern immer noch das höchste maß an explosivität und gibt auf diesem gebiet die beste figur ab.
der belastungstest des fußbodenbelags wird auch angesichts der neuesten veröffentlichung im hause gossip bis auf's äusserste beansprucht und fällt in jedem fall zufriedenstellend aus. mit "music for men", ihrer ersten platte bei einem major label, beweist die band, dass sie beständig in der lage ist packende songs zu zimmern. unbeirrt vom medienrummel um ihre frontfrau legen sie den fokus auf das, was sie ohnehin am besten können, disco beats mit dem funk kollidieren zu lassen, ganz im rock'n'roll stil den gitarren den gewünschten freilauf lassen und alles mit einem tick aus dittos soul-geschulter kehle würzen, so dass am ende ein spannungsgeladenes, aber dennoch sehr tanzbares ergebnis dabei herauskommt. es braut sich also etwas zusammen auf dem plattenteller und so ist es nicht verwunderlich, dass sie sich für die umsetzung ihrer tongewalt ausgerechnet rick rubin als produzenten geangelt haben.
der opener "dimestore diamond" kriecht, grob betrachtet, noch verhalten aus den boxen, aber besticht durch seine eingängige bassline und verzerrte gitarre, wobei letztere erahnen lässt, dass sie sich schon mal für den rest des albums warm macht. spätestens im refrain der ersten single auskopplung "heavy cross" entlädt sich dann die angesammelte wucht im dynamischen zusammenspiel der instrumente, während beth ditto in gewohnter manier gekonnt alles aus ihren lungen herausholt. "8th wonder" prescht ungehalten und temporeich davon, aber wird gleich darauf in seiner ungestümtheit durch die verspielten piano-klänge in "love long distance" gezügelt. natürlich hält dieser zustand nicht allzu lange an und so schraubt die band das tempo gleich im folgenden song "pop goes the world" nach oben und deklariert, von mitreissenden synthesizern und hämmernden drums unterlegt, ihre ansage an die musikwelt.
"music for men" bietet neben dem albumtitel noch ein weiteres stück, dass sich der männerwelt und deren liebesleben widmet: "men in love". als ohrwurm garantie in die songstruktur eingeschleust, wirken die zeilen “na, na, na/ men in love / na, na, na, na / with each other” umso gerissener. nicht einmal die musikalische adaption des kiss klassikers "i was made for loving you" im song "2012" bringt das album aus den fugen, sondern erfährt mit neuem text versehen "my heart will never beat again baby, have you got the best of me?" eine auffrischung. beim ende des albums angelangt, sind einem auf dem weg dahin sicherlich nicht die füße eingeschlafen, dafür haben sie nun aber eine kleine pause verdient. die bekommen sie in form von "four letter word", dass auch ohne harte schläge auf's trommelfell auskommt, stattdessen gefühlvoll und mit betont ruhigen synthie-einlagen überzeugt. den optimismus und die liebe begrabend singt ditto “love is a four letter word that should never be heard” - das sitzt. bevor man aber allzu lange über diese worte nachdenkt, fliegen einem ganz andere töne um die ohren und beschließen "music for men". punkig, antreibend und aggressiv schlägt sich "spare me from the mold" mit bläsern, scheppernden drums und einer wütenden beth ditto am mikro bis zu den gehörgängen durch. so endet das album quietschend, aber mit dem gesamteindruck, dass die band musikalisch längst über den von "standing in the way of control" geworfenen schatten gesprungen ist und das sogar mit bester haltungsnote.
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