V.A.Not Given Lightly
VÖ: 08.05.2009 // Morr Music

Wirft man einen Blick auf den Globus, stellt man fest, dass Neuseeland doch relativ weit weg vom Schuss liegt. Allerdings muss Abgeschiedenheit nicht zwangsläufig etwas Schlechtes bedeuten, denn gerade im Neuseeland der 80er Jahre führte diese dazu, dass sich fernab der mächtigen Musikindustrie eine kleine, aber sehr feine Indiepop-Szene entwickelte. DIY, LoFi und Kleinstlabels wie „Xpressway“, „IMD“ und „Corpus Hermeticum“ waren damals weniger Ausdruck einer Haltung, sondern vielmehr eine Notwendigkeit, um die Musik von Bands und Solokünstlern wie Jean Paul Sartre Experience, Chris Knox (dessen Song „Not Given Lightly“ der Compilation auch ihren Namen gab), The Chills und Graeme Jefferies an die Hörer zu bringen. Der Do-It-Yourself-Gedanke erreichte etwas später auch die USA, wo sich Bands wie Pavement, Yo La Tengo und Sonic Youth stark von der alternativen Musikszene in Neuseeland beeinflussen ließen. Und irgendwo ganz am Ende der Geschichte steht schließlich das Label Morr Music, für das Thomas Morr mit viel Herzblut und noch mehr Einsatz seit einigen Jahren immer wieder musikalische Kleinode zu Tage fördert.
„Not Given Lightly“ ist für Morr Music also so etwas wie eine Erkundung der eigenen Wurzeln, die nicht zuletzt auf der anderen Seite der Welt vergraben liegen. Teil 1 der mehr als zweistündigen Compilation ist eine Hommage aktueller Morr-Künstler an die Helden der neuseeländischen Indiepop-Szene der 80er. Dabei sind die Songs von Lali Puna, It´s A Musical, American Analog Set, B.Fleischmann, Borko und vielen anderen weit mehr als bloße Coverversionen, sondern wohlüberlegte Interpretationen, die die Originale mit dem eigenen Stil verschmelzen lassen. Am deutlichsten wird das bei „Pink Frost“ - im Original von The Chills - das gleich zwei Mal vertreten ist und in den Versionen von The Go Find und Masha Qrella kaum unterschiedlicher klingen könnte. Teil 2 ist dann kein Ausflug in die 80er Jahre mehr, sondern spielt sich mit neuen, teils unveröffentlichten Songs von Seabear, Benni Hemm Hemm, Butcher The Bar, Guther und Electric President im Hier und Heute ab. Mit „Kudos“ findet sich auf CD2 auch ein Song von Surf City - einer Band aus Auckland in Neuseeland. Von dort, wo alles begann. Hörenswerter als „Not Given Lightly“ kann eine musikalische Geschichtsstunde eigentlich kaum sein. Uneingeschränkt empfehlenswert!
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