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Sin Fang Bous - Clangour
 
 

Sin Fang BousClangour

 

Elektronische Spielzeuge, warnen diverse Erziehungsratgeber, können Kinder unter Umständen hyperaktiv machen. Nicht nur Kinder, möchte man angesichts von „Clangour” anmerken. Immerhin steckt nicht ein Zehnjähriger hinter dieser Platte, sondern der Mittzwanziger Sin Fang Bous (alias Sindri Már Sigfússon, Frontmann der Band Seabear). Auf dem Cover sitzt der Meister, ganz in Rot gekleidet und mit einem angeklebten Bart aus buntem Papier, höchstpersönlich inmitten eines kunterbunten Wunderreichs voller (Spielzeug-) Instrumente. Kein Zweifel, dass all diese und noch viele mehr auf „Clangour” auch wirklich zum Einsatz kamen, denn schon der erste Song „Advent In Ives Garden” ist ein aufgekratztes und liebevoll zusammen gebasteltes Sammelsurium an verschiedensten Klängen, Soundschnipseln und Versatzstücken. Stücke wie „Sunken Ships”, das ebenso wunderbare „Poirot” und „Fafafa” mit seiner verträumten Schlafliedmelodie klingen dabei beinahe so, als hätte ein Bewohner der Sesamstraße Songs von Simon & Garfunkel remixt. Irgendwo zwischen diesem immer mehr an Tönen schwebt die schöne Stimme des jungen Isländers und gibt mit solch kryptischen Zeilen wie „I could be the lumberjack and you could be the tree“ Rätsel auf.

Im Gegensatz zu Seabear setzt Sindri Már Sigfússon bei seinem Soloprojekt Sin Fang Bous wesentlich stärker auf Pop als Basis für seine musikalischen Entdeckungsreisen und rückt damit in die Nähe von anderen Soundbastlern wie Caribou und Animal Collective. Trotzdem erinnert vieles auf „Clangour” an „The Ghost That Carried Us Away”, das Debütalbum von Seabear. Der Hang zu putzigen Melodien, die Detailverliebtheit, die akustische Grundlage der Songs - was Seabear so herausragend macht, macht auch die Qualität von Sin Fang Bous aus.

„Westentaschensymphonien“ nennt der Mann aus Reykjavik seine Songs selbst und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Bei jedem Hören gibt es auf „Clangour“ Neues zu entdecken, überraschende Geräusche, die vorher noch nicht da waren, tauchen wie aus dem Nichts auf und zaubern einem ein begeistertes Lächeln aufs Gesicht. Dieses Album ist so charmant, liebenswert und verspielt, dass man gar nicht anders kann, als es auf der Stelle ins Herz zu schließen.

christoph
 

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