Klez.EVom Feuer Der Gaben
VÖ: 30.01.2009 // Loobmusik

Klez.E waren ein dichtendes Quintett mit Lieblingsbandcharakter. Es gibt nicht viel aktuelle deutschsprachige Musik, die es schafft unprätentios zu bleiben, der man es anhört, dass sie sich selbst reflektiert, das aber nur als Ausgangspunkt nimmt um Musik mit sprachlicher Unabhängigkeit zu entwickeln. Klez.E könnten also genauso gut Englisch oder Französisch singen. Weil sie es allerdings nicht tun, gab es bei jedem Mal, wo man die Band live erleben konnte oder das letzte Album Flimmern hörte, diese lächelnd-traurigen Momente, so intim, als würde Tobias Siebert als Mastermind seiner Kapelle die vielen Zeilen nur singen, weil er weiß, das 'ich' (nicht 'man') ihm zuhöre. Das vielleicht beste Beispiel dafür war „Dein Universum“ und es wird in dieser hohen eindringlichen Stimme, stellenweise Falsett, gesungen: „Ich denke, wie wäre es, wenn du dich nur erinnerst, eine kurze Zeit. Sollte ich jetzt einfach sterben? Aus der Welt, aus diesem Traum.“ Jeder Zuhörer musste sofort zum besungenen Du werden, es ging gar nicht anders.
Was nun passiert ist, nun drei Jahre später, ist Erinnerung an Vergangenheit, Erfahrungen, die sich rücksichtslos sammeln lassen. Klez.E haben Welt kennen gelernt und sich viel Zeit gelassen für „Vom Feuer der Gaben.“ Eine Oper im Dunkeln. Ein unglaublich überraschendes Stück von Schauspielern, deren einzig negative Eigenschaft es ist, sonst immer vor 50 Leuten ihre Dramatik präsentiert zu haben. Was vormals noch amateurhaft simpel und damit eindringlich imposant in all der Tragik war, ist groß geworden. Die Anzahl der Instrumente hat sich verfünffacht, subtile Anspielungen, interpretiert oder gewollt, sind offensichtlicher geworden. „Der Saal“ als kollektivbesinnende Dringlichkeit meint Räume, wenn es heißt: „Kein Gott, Kein Geld, Kein Krieg, Kein Leid“; Räume wie den Saal oder das Zelt. An anderer Stelle, dem Eröffnungsstück „Wir ziehen die Zeit“ wird das platte „3 Tage wach“ zu „Was wäre mit nicht schlafen? In drei Tagen ziehst du weg. Wir hätten 72 Stunden und ein immerleeres Bett.“ Alles wird zu Klez.E, alles war schon immer Klez.E. Oder anders und treffender: Wir sind alles Menschen, waren es schon immer und Klez.E singen darüber. Vom Feuer der Gaben - im Titelstück als Illusion von Folter, mit einem melodiösem Chor der Tristesse - ist leinenbezogen in seiner auf 3000 Stück limitierten Kunstausgabe bei der zu jedem Lied je ein Künstler assoziative Visualisierungen im Booklet präsentiert. Alles ist groß, vermeintliche Grenzen verschiedener Kunstrichtungen werden bewusst ignoriert. Vom Feuer der Gaben ist großartig. Aber sind es wirklich noch Klez.E? Die intimen Klez.E von damals.
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