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locas in love - winter
 
 

locas in lovewinter

www.locasinlove.com

VÖ: 28.11.2008 // Sitzer

 

Im Waschzettel, der übrigens erfreulicherweise darauf verzichtet, den Rezensenten mit unerwünschter Meinung zu impfen, sondern tatsächlich mal nützliche Information bereithält - in diesem Waschzettel also wird nachdrücklich darauf hingewiesen, dass dies mitnichten das reguläre dritte Album der Locas sei, sondern ihr Winteralbum, das bewusst minimalistisch instrumentiert und einfach produziert sein sollte. Damit reiht man sich ein in eine illustre Schar von Bands, die in dieser schönen Tradition stehen: die Beach Boys, Elvis und Low etwa nennt der Waschzettel, Sufjan Stevens fällt mir noch ein. Apropos: der Trompeter von Sufjan Stevens, Kyle Resnick, spielt auch mit. Anstelle von Lake Michigan muss jedoch hier der (freilich zugefrorene) Aachener Weiher herhalten - wie im Stück "Wintersachen". Daneben wirken noch LD Beghtol, bekannt von den "69 Love Songs" der Magnetic Fields, sowie der New Yorker Percussionist Sam Lazzara mit. Moment: Sufjan Stevens? Magnetic Fields? New York? Genau: Das Album wurde zur Hälfte in einem Privathaus in Brooklyn eingespielt, an den Offdays der in der Nähe stattfindenden Aufnahmen zum nächsten Album von Karpatenhund (dem Neben- bzw. Hauptprojekt der Locas in Love). Zur anderen Hälfte wurde es in einem Wohnzimmer in Köln aufgenommen. Allein durch diese Umgebung waren natürlich die produktionstechnischen Möglichkeiten beschränkt. Aber die Locas wären nicht die Locas (man muss sich nur mal die Beschreibung ihres Effektgeräte-Zoos auf ihrer Website ansehen: Nerds!), wenn das alles nicht wieder in Perfektionismus ausgeartet wäre. Lo-Fi kann man von diesen Typen einfach nicht erwarten - dennoch, der Bombast des letzten Albums, "Saurus", fehlt hier und lässt Raum für leise Töne und, ja: Winterstimmung. Übrigens: Winterlieder können, müssen aber nicht zwangsläufig ausschließlich von Winterthemen handeln. "Packeis", "ICE Wilson Bentley" (Wilson Bentley: amerikanischer Schneeforscher, Recherche des Verfassers), und "Eissturm" tun es, mit "Maschine" dagegen schmuggeln die Locas ein bisschen Protestsong unter den elterlichen Christbaum - denn Weihnachtslieder von "unseren" Bands sind ja immer zumindest den Versuch wert, auch mal "unsere" Musik am Weihnachtsabend aufzulegen. "Roder" (hier erfolglose Recherche des Verfassers) legt sich um die gebeutelte Seele des Hörers wie eine warme Outdoor-Fleecejacke. "Falling" ist eine vergleichsweise beschwingte Coverversion des "Twin Peaks"-Titelstücks, im Original von Julee Cruise. Und die englische Version von "Packeis" (na? na? "Packice"!), gesungen von LD Beghtol, gibt einem schließlich das Gefühl, sich mitten in den "69 Love Songs" zu befinden. Und jetzt die rhetorische Frage: Was kann man von einem Winteralbum, bitteschön, mehr erwarten?

mawe
 

Ein Kommentar

christoph am 30.12.2008

großartige platte! die bringt einen warm und sicher durch den winter.

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