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BERNHARD EDER - TALES FROM THE EAST SIDE

Bernhard EderTales From The East Side

vö: 24.10.2008

web: www.myspace.com/bernhardeder

label: Solaris Empire

 

Mit „Tales From The East Side“ liegt das zweite Soloalbum des Österreichers Bernhard Eder auf dem Plattenteller, sämtliche Vergleiche mit Kollegen der Sparte „eher unglücklicher Singer/Songwriter“ werden, wie zutreffend sie auch sein mögen, unterbleiben. Zu naheliegend wären sie. Und würden Bernhard Eder nicht gerecht werden. Zwar entlockt er seiner Akustikgitarre ebenfalls eine ruhige, melancholische Grundstimmung, die hier und da an den Rande der Verzweiflung gestoßen wird, zwar wagen sich seine Songs nicht über die Grenzen der vertrauten Folk/Pop-Gefilde. Allerdings sind sie auch einfach zu gut, um in Schubladen zwischen den Größen jener Genres zu verschwinden. Mit unangestrengtem Gesang und unverwechselbarer Stimme erzählt er Geschichten über Leben und Liebe, fügt dem ganzen eine gewisse Verlorenheit hinzu, und sorgt mit einem Händchen für Dramaturgie für die eine oder andere Überraschung.

So füllt er wunderschöne Popsongs mit Verzweiflung, verhaltener Wut, Resignation, und versetzt den Hörer gleichzeitig in nervöse Spannung. Dem schlichten Walzer „Polen #1“ geben Streicher und Akkordeon eine nostalgische Jahrmarktsstimmung, die beinahe an Beirut erinnert (wie war das mit den Vergleichen?), im großartigen „Now’s The Time“ überlässt Bernhard Eder seiner Gitarre mal Melodie, mal Rhythmus, dann nimmt er ihr den Klang und lässt dafür Hände klatschen, dazu kommen folkloristische Elemente, wie ein im Hintergrund dezent stampfender Bass und ein Banjo, die von der Gesangslinie aus dem Kitsch, zurück ins Indiepopreich gerettet werden. In „Polen #2“ erklingen nach einem Break nervöse, hektische, fast besessene Streicher, die sich selbst in Ekstase steigern, bevor sie genauso plötzlich verstummen, während die Gitarre, die den langsamen, tieftraurigen Gesang in „Silverstar“ begleitet, zu Anfang an die schleppenden Schläge einer Standuhr erinnert.

Bernhard Eder zwingt zum Zuhören, durch liebevolle, detailgenaue Arrangements, durch seinen introvertierten Gesang, der gleichzeitig keine Distanz zulässt, sondern, ganz im Gegenteil, Nähe, Intimität erzeugt. Er treibt dem Hörer Tränen in die Augen, nimmt ihn aber auch tröstend in den Arm, verlässt ihn mit einem Gefühl der Zufriedenheit – und vor allem mit der Überzeugung, dass es auch 40 Jahre nach den Beatles noch Musiker gibt, die schlicht perfekte Popsongs schreiben können.

kathi
 

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