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my sister grenadine - shine in the dark
 
 

my sister grenadineshine in the dark

 

man hat sich scheinbar verirrt. man ist scheinbar verloren. in einem dunklen, dichten wald, indem man ziellos und verwirrt umherirrt. man weiß nicht, rennt man im kreis, hat man diesen baum schon mal passiert? hat man diese töne, die aus den tiefen des unterholzes ertönen, nicht schon gehört?

der dunkle, dichte wald trägt den zuerst unpassend anmutenden namen „shine in the dark“ und wurde von my sister grenadine, dem solo-projekt von vincent kokot, entworfen. die gitarre und die stimme des beliner musikers fügen sich zusammen zu einem düsteren und verwunschenen dickicht, in dem man nicht weiß, wieso man sich dort überhaupt hineinbegeben hat. und wie man wieder herausfindet. man denkt: das ist der falsche ort. man blickt verstört und nervös um sich, rennt weiter und schlägt sich durchs düstere unterholz. durch diese gezupften gitarren-moll-akkorde und diese zerbrechliche, niedergeschlagene stimme, und man verschwindet nur weiter in der dunkelheit, desto mehr man sich bemüht, diesem wald zu entkommen. schließlich geben die ermüdeten beine nach, man klappt zusammen, legt sich auf den weichen, moosigen boden, und streift die letzte hoffnung von sich ab. und plötzlich fangen die bäume an sich zu bewegen. blätter rascheln, und die äste beginnen sich zu biegen. sie öffnen sich und weisen einem den weg. ein pfad tut sich auf. ein schwaches licht am ende des blättertunnels flackert auf. unvermittelt schießt einem das wissen in den kopf: dort hinten tief im gehölz, am ende des pfades, dort wohnt das glück. und es leuchtet. es leuchtet im dunkeln und weist einem den weg.

ist man soweit gekommen, fängt „shine in the dark“ an sinn zu ergeben. der titel könnte plötzlich passender nicht sein. das zuerst gänzlich verwirrende dickicht aus gitarre und stimme, mit dem vincent kokot in seiner ganz eigenen auffassung vom singer/songwriter-dasein stücke entwirft, die keiner typischen songstruktur folgen, formt sich zu einem großen und nun klar erkenntlichen bild. man begreift: man war nie verirrt, man war nie verloren. man befindet sich genau am richtigen ort. aber um das zu erkennen, reißt einem dieses album erst tief ins dunkel, tief in die verwirrung, tief in die hoffnungslosigkeit. und erst wenn man aufhört, sich abzumühen, aus dieser dunkelheit zu entfliehen. erst wenn man aufgibt. erst dann kommt die erkenntnis: dort hinten, da wohnt das glück.

mic
 

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