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herrenmagazin - atzelgift
 
 

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Konzentration auf das Wesentliche. Das Drumherum ausblenden. Die Welt außen vor lassen und sich doch mit ihr verbunden fühlen. Irgendwie zumindest. Denn diese Welt ist ja immer da. Sie ist präsent wie kaum etwas anderes. Sie schreit, sie euphorisiert, sie jammert, sie liebt, sie geht kaputt und heilt sich zum Schein. Das ist zwar nichts Neues, aber das ist hier auch nicht das Ziel. Das man jetzt jedoch eine Schublade aufmachen, und diese Band hineinstecken kann, ist, trotz Berufung auf gern gehörte Schrammel-Tugenden, noch lange nicht gegeben. Denn eines sollte von Anfang an klar sein. Hier steckt mehr dahinter, als man auf den ersten Blick erwarten könnte. Die schrammelnden Gitarren und das krachige Schlagzeug können selbst von der erstklassigen Produktion nicht gerade gebogen werden. Gott sei Dank. Und dann erst der Gesang, der klingt als würde ein guter Sänger morgens auf einer Parkbank aufwachen, und mit einem Kratzen auf den Stimmbändern, sofort anfangen über Gott und die Welt zu berichten. Singen meine ich natürlich. Er beginnt mit einer persönlichen Erkenntnis: „Früher war ich meistens traurig“. Ein Song, der über die Einsicht handelt, dass man nicht gewinnen kann. Also nichts anderes als eine Aufgabe und das gleich zu Beginn. Diese Aufgabe schreit die ganze Band aber der Art kraftvoll hinaus in diese Welt, dass man nicht umhin kommt die Faust zu recken und zu kämpfen. Stichwort: Wir sind immer oben. Ja, so sind diese Hamburger Jungs, die gerade ihr Debütalbum „Ätzelgift“ veröffentlichen und damit ein klares Ausrufezeichen setzen.

Hier wird nicht um Ecken gedacht, es wird geradeaus und aus der Brust heraus musiziert. Ein Hoch auf diese Einfachheit, die durch und durch durchdacht, durch diese 12 Lieder stolpert. Die Gitarre ein Riff, eine Melodie, das Schlagzeug ein Fill, der Bass ein Fundament. Roh zu einem gewissen Teil, filigran hinter den ganzen Kanten. Alles schön verpackt, meistens in einer Zeit von 3 Minuten. Ein Begehren und Verlangen überall, trotz der nüchternen Zusammenfassung der Geschehnisse, die sich so Tag für Tag vor und hinter den Fenstern abspielen. Einer der zentralen Sätze, die diesen Drahtseilakt perfekt umschreibt, ist dabei dieser: „Ich kann jetzt nicht schlafen / ich muss Wege machen / und ich nehm mir die Stunden / die ich brauch um es nach Hause zu schaffen.“ (aus: „der längste Tag“) Es herrscht also eine gewisse Ruhelosigkeit, in die man getrieben wird, und um die man nicht umher kommt. Pause machen geht nicht, sagt nicht nur die Gesellschaft. Und genau an der Stelle ist es wichtig, aufzustehen und sich die Zeit zu nehmen um, neben dem ständigen Müssen, Abstand zu gewinne, Ruhe zu erlangen und eben nach Hause zu kommen. Und das ist im Grunde unser Krieg, den wir zu kämpfen haben. Eine Schlacht haben wir mit Hilfe von „atzelgift“ bereits gewonnen. So kann es weitergehen mit dieser Band, über die ich hier die ganze Zeit schreibe und die folgenden Namen trägt: „Herrenmagazin“ Ausrufezeichen.

tore
 

2 Kommentare

Luka am 13.06.2008

schöne rezension zu tollem album! danke.

Luka am 13.06.2008

schöne rezension zu tollem album! danke.

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