Logo
DELBO - GRANDE FINESSE

delbogrande finesse

vö: 25.01.2008

web: www.myspace.com/delbo

label: loob musik

 

Pause. Am Anfang war es nur ein Punkt, das grundlegendste Element der Geometrie. Daraus entwickeln sich feine Linien und Kurven, die erst ziellos umherirrten und sich dann, langsam aber sicher, vereinten. Sie knüpften Bande, wurden zu Flächen, die sich rasch auftürmten. Ein Raum war geboren und kurz darauf die Zeit. Mittendrin stehen „Delbo“, in Wort und Ton, mit dem besten Album ihrer Karriere in der Hinterhand. Es hört auf den Namen „Grande Finesse“. Play!

„Delbo“ sind also zurück. Nach Havarien, dem heimlichen Meisterwerk, nun also „Grande Finesse“. Ein Album in Zierden, wie aus einem Guss, durch und durch von Leichtigkeit bestimmt und doch so dicht und kompakt wie nie zuvor. Man könnte sagen, die Band ist in all ihren Einzelheiten näher zusammengerückt, hat sich stärker verbunden und eine fabulöse Einheit geschaffen. Also nichts wie hinein in dieses Album, beginnen wir mit den Texten:

Die Leichtigkeit des Seins, und die Schwere, die in dieser Scheinbarkeit liegt. All das Zwischenmenschliche bringt Daniel Spindler mit seinen Worten auf den Punkt. Und nicht nur das, er begibt sich selbst in Reflexion und führt sich, wie den Hörer, durch die Komplexität der Menschlichkeit und achtet dabei besonders auf die Satzgefüge, die nur er, in dieser Behutsamkeit verbinden kann. In anderen Worten könnte man auch von Liebesliedern sprechen. Liebeslieder jedoch, die mit einem Vokabular aufwarten, welches nicht auf den Wortschatz der Beatles zurückgreift. Liebeslieder also, die in andere Worte gehüllt, immer wieder Grenzen aufzeigen, in denen man sich zwangsläufig finden wird. Daniel Spindler verwendet dabei zum Beispiel Bruchstücke und Gedankenfetzen, versucht eine Linie zu finden und verbindet diese dann zu einer Einheit, um der Gefühlswelt Herr zu werden. Zentrale Themen sind dabei die Zeit, das Glück und vor und über allem die Beziehung. Man nehme nur „Moto“, in dem der Mensch auf seinen Körper reduziert und so seine Zerbrechlichkeit, aber auch eine gewisse Zuversicht zurückgewinnt. So heißt es hier: „…und diese Körper, die in schmale Streifen gehen, die verreisen, die sich fern sind und die sich sehnen, die sich verzehren, in Teilen ihre Einheit sehen und in allen Teilen spüren wie sie vergehen.“ Das beschreibt einen Art Selbstfindungsprozess, der, wie der Punkt in der Geometrie, als Ursprung steht. Darauf baut sich dann alles Weitere auf. So wie in „Piamo“ beschrieben. Hier beginnt die erste Strophe mit folgenden Worten: „Du und das verweben zweier Menschen und wie sie sich gegenüberstehen.“ In der zweiten Strophe wird daraus schon eine Verbindung: „Du und das beleben zweier Menschen und wie sie sich ineinander wieder sehen.“. Soweit so gut, die Kunst ist es jedoch die Beziehung am Leben zu halten. Und auch dafür findet Daniel die richtigen Worte: „und schließlich, du und das entdecken sich zu behalten und sich zu bewähren“. Die Sicherheit mit der hier die Worte ausgewählt wurden ist einfach einzigartig. Und das nicht nur in den zitierten Stellen, sondern durch das ganze Album hindurch.

Ähnlich verhält es sich mit der Musik auf „Grande Finesse“, denn genau wie zwischen den Worten, muss man sich auch zwischen den Tönen finden. Man muss sich einen Platz suchen und die Musik dann auf sich wirken lassen, die in einem Moment einen Sprung macht, sich in einem anderen verweigert und in einem dritten beides zu gleich versucht. Wenn man das dann nebenbei hört, gelangt man schnell an die eigenen Grenzen. Und auch wenn die Texte zum Teil genau diese ausloten, versucht die Musik das nicht. Ihr ist es im Grunde nur wichtig der Popmusik einen Stups in die richtige Richtung zu geben und dieser, abseits des Gleichklangs, wieder mehr Wert einzuhauchen. Und so klischeehaft das auch klingen mag, aber sie schaffen genau das, ohne aufgesetzt oder gewollt zu klingen.

Wie schon weiter oben erwähnt liegt das Hauptaugenmerk der neuen Lieder auf der Harmonisierung all der Einzelheiten dieser Band. Die Arrangements sind dabei homogener und fließender als je zuvor. Das führt jedoch nicht dazu, dass Bass, Gitarre und Schlagzeug nicht mehr als einzelne Instrumente funktionieren. Ganz sicher nicht, denn es war und ist eine der großen Eigenschaften von „Delbo“, dass man eine Gitarrenmelodie, ein Basslauf oder selbst ein Drumpart mitzusummen kann und muss. Hinzu kommen, Flöten, Geigen und selbst ein Horn. Diese drücken den Liedern zwar ihren Stempel auf, erdrücken sie aber nicht und runden ein Album ab, welches das beste ist, das „Delbo“ bisher veröffentlicht haben.

tore
 

Kommentare

free download des liedes "belvedere":
http://www.loobmusik.de/wavs/delbo_belvedere.mp3

tore // 25.01.2008

hallo. ich wollt nur kurz fragen ob das hier eine kritik ist oder eine bedingungslose huldigung? :/

christian // 28.01.2008

naja, auch wenn, meiner meinung nach, aus den mächtigen, abstrakten texte in grande finesse ein durchschaubares muster geworden ist und für mich die platte eher unfertig erscheint (mir gefallen immer nur songstücke außerordentlich gut) und musikalisch nicht an havarien und innen/aussen ran kommt, so ist das was delbo hier abliefern dennoch von mehr umfang und bedeutung als sehr, sehr viele andere releases.
delbo soll verdammt nochmal endlich viel bekannter werden und das erreicht man nicht durch zurückhaltenden kritiken. delbo ist halt eine lieblingsband, die über den kategorien steht, das hört man in der rezension heraus. das find ich gut.

hannes // 28.01.2008

ich bin schon seit innen/außen ein delbo-fan und gönne ihnen jede huldigung, jeden erfolg, jedes delbo-special etc., aber auf dieser seite wirds mir irgendwie zu subjektiv, zu uneingeschränkt huldigend. seit erscheinen am freitag hab ich mir "grande finesse" sehr oft angehört und finde es auch ganz schön, aber nach "piamo" und "aprico" kann kein song das niveau der zwei ersten stücke erreichen. innen/außen war wunderbar, delbo-mäßig mit schiefen takten und harmonien etc. und vor allem leichtfüßig, also nicht oberflächlich aber doch sehr viel (oder fast ausschließlich) in dur und schön melancholisch. havarien dagegen wirkt um einiges bedrückender, und grande finesse ist ab song 3 (mit der ausnahme "belvedere") etwas unbeholfen. so toll der daniel bass spielen kann, man braucht nicht in jedem song so viel schiefe töne einbauen und zwischen dur und moll hin- und herwechseln dass der song an sich in seiner atmosphäre kaputt geht. ich schließe mich meinem vorredner an, einzelne songteile gefallen mir sehr gut, aber alles wirkt insgesamt sehr komstruiert und will nicht so recht zusammenpassen. so schön z.b. der schlussteil von hermelin ist, der anfang ist es bei weitem nicht. ein bisschen reduktion hätte delbo gutgetan, mal ein songanfang, der nicht immer gleich bass gegen gitarre anspielen lässt. "rakete", "viocolgo" oder auch "delgado" sind schön klar instrumentiert und arrangiert. auf "grande finesse" habe ich mir nach dem ersten hören von "belvedere" wieder eine klarheit und schöne melancholie wie auf innen/außen gewünscht, wurde aber leider ein wenig enttäuscht.

jakob // 28.01.2008

klar, es ist eine huldigung. ziemlich bedingungslos sogar.
aber hey, wie wir alle wissen: delbo ist die rote raupe-hausband.
(zu recht übrigens, wie ich finde. klare kategorie lieblingsband. und das nicht von ungefähr.)

ps. freue mich schon auf das klez.e-special zum kommenden album! ;)

johanna sophie // 30.01.2008

aus dem gästeliste forum, unterschreibe ich sofort. passt gut, dass ihr auch ein sportfreunde stiller tagebuch anbietet. in etwa das gleiche niveau.

gernot , 11.02.2008, 12:56:18

hi, gerade die kritik gelesen. wer die angebotene mp3 als pop bezeichnet, muss tomaten auf den ohren haben. schiefer gesang, uninspirierte musik und ein text gg die juli noch literatur ist, ergeben eine mischung, zu der man nicht einmal einschlafen kann, denn dafür ist sie auch noch zu nervig.

gernots bruder // 13.02.2008

Kommentar abgeben

Kommentare müssen nach dem Absenden per E-Mail bestätigt und aktiviert werden. Achtet daher bitte auf die korrekte E-Mail-Adresse. Kommentare von eingeloggten Usern werden sofort veröffentlicht.

Aktuelle CD-Reviews

Loader ...
Byte.FM
  • www.spreeblick.de
  • www.superpaper.de
  • www.opak-magazin.de
  • www.blogs.taz.de/popblog
  • www.this.bigstereo.net
  • www.wearehunted.com
  • www.blogotheque.net
  • www.whitetapes.de
  • www.stylespion.de
  • www.xlr8r.com
  • www.cut-magazine.com
  • www.rcrdlbl.com
  • www.br-online.de/bayern2/zuendfunk/
  • www.spoonfork.de
  • www.nicorola.de
  • www.huskmagazine.de
  • www.elbo.ws
  • www.tonspion.de
  • www.tape.tv
  • www.blank-magazin.de
  • www.spex.de
  • www.hypem.com
  • www.stereogum.com
  • www.popfrontal.de
  • www.78s.ch
  • www.daytrotter.com
  • www.humanempire.com
  • www.fallen-legen.de
  • www.undertube.de
  • www.99matters.de
 
 
© 2004 - 2010 ROTE RAUPE · A HOME FOR MUSIC
 
Real Time Web Analytics