get well soonrest now weary head! You will get well soon
vö: 18.01.2008
web: www.myspace.com/youwillgetwellsoon
label: cityslang
Gar nicht so einfach, sich in diesem dichten Jungle voller Menschen der Einsamkeit zu stellen. Wird man doch überall angerempelt und umgestoßen. Wankend nimmt man das in kauf, es ist eben eine Art der Begrüßung für Neuankömmlinge: Willkommen in der großen Stadt, in der Metropole, von mir aus auch Hauptstadt. Willkommen im Malstrom, der einen, wenn man nicht gehörig aufpasst, dermaßen schnell auf den Boden der Tatsachen zieht, dass die Zeit scheinbar nur noch in Zeitlupe verstreicht und selbst die Tränen keinen Sinn mehr darin sehen zu fließen. Ernüchterung macht sich breit. Zeit also um sich zurückzuziehen, oder wie es im ersten Lied von diesem Album heißt: „Rest now weary head! You will get well soon. Und wenn dann nach 1:22 Minuten der Chor einsetzt und die Zeile ein ums andere Mal wiederholt wird, spürt man eine neue Zuversicht aufkeimen. Eine Zuversicht, die tief verwurzelt ist in der Melancholie, und die der junge deutsche Musiker Konstantin Gropper auch im weiteren Verlauf seines Debüts auf eine Art weiterreicht, wie man sie kaum erwarten konnte von einem 25 jährigen aus Oberschwaben.
Das ist alles. Ganz ehrlich, alles was man sich wünschen kann von einem Album. Lieder die Segen in den Tönen tragen, die Trösten und die den Hörer in einem warmen Gefühlsschauer besänftigen. Gänsehaut ist da nur der Anfang. Genau wie die Beschreibung der Musik, die dieses Album bereithält. Diese muss zwangsläufig irgendwo im Britpop beginnen und endet dann bei einer Band wie Calexico. Zwischendrin („If This Hat Is Missing, I’ve gone Missing“) gibt es Cheerleader, die das Publikum anpeitschen als gehe es um Leben und Tod, dabei ist doch längst klar, das Schlussendlich die Unsterblichkeit wartet. So etwas vermag nur die beste Musik zu leisten und dazu gehört "Get Well Soon" allemal.
Jetzt sind das aber nicht nur einfach Lieder, die ein wenig Melancholie verbreiten. Nein, nichts an diesem Album ist einfach. Alles ist durch und durch musikalisch perfekt geplant und vor allem perfekt inszeniert. Kein Zweifel, dieser Mann trägt nicht nur die Musik, sondern auch ein fundiertes Wissen um diese in seinem Herzen. Nichts wird dem Zufall überlassen, selbst der Gitarrenfeedback in „I Sold my hands for food so please feed me“ grenzt in seiner schlichten leichten Art wie das Harfenspiel von Engeln, welches den Hörer für eine Weile von aller Last befreit. Das folgenden „We are Safe Inside while they burn down our house“ weckt im ersten Anschein nicht nur die Tränen wieder, sondern auch das Gefühl einer gewissen Minimierung der Musik, die bis zu diesem Zeitpunkt oftmals mit pompösen Arrangements aufgewartet hat. Und das ist auch so, anfangs zumindest. Dann kommen immer mehr Instrumente dazu, die dem Lied eine herzerweichende Steigerung verpassen, bis eine Trompete ihre einsame Melodie spielt und sich alles auf diese Töne zu konzentrieren scheint. Ein unglaublicher Effekt. Einer von so vielen, die in diesem Album schlummern. Man nehme nur das Cover von Underworlds’ Born Slippy. Diese Molltöne, diese Rhythmik! Einfach Grandios. Etwas vergleichbares gab und gibt es bis dato in hiesigen Landen noch nicht. Und auch vor dem Internationalen Vergleich muss sich dieses Album keines Wegs verstecken!
So früh im Jahr schon ein so fantastisches Album. Uneingeschränkte Kaufempfehlung!
Kommentare
was anderes als ein fantastisches album hätte ich jetzt auch nicht erwartet. schön.
ein meisterstück. die Uneingeschränkte Kaufempfehlung kann ich ohne schlechtes gewissen weitergeben.
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