boy omega

boy omegathe black tango

VÖ: 17.03.2006, riptide recordings

Von Michael Kugler

in selbstmitleid zerfließen, sich darin baden und sudeln. das ist in manchen phasen des lebens nicht nur dringend nötig, sondern kann auch verdammt erfüllend sein. z.b. das trauern um die verflossene, die eine liebe. das fokussieren, ergreifen und innehalten des schmerzes. das aufgeben von allem und jedem. doch irgendwann kommt der wendepunkt, an dem man aus seiner selbstmitleidigen trance erwacht und wieder nach vorne anstatt nur zurück blickt. an dem man den glauben wieder findet, dass es besser wird, der schmerz vergänglich ist, und man eines tages wieder glücklich sein kann.

wem das alles bekannt und vertraut vorkommt, der dürfte mit ‚boy omega' und deren neuen platte ‚the black tango' (17.03.2006/riptide recordings/cargo records) einen passenden soundtrack für das nächste loch des selbstmitleides und der anschließenden kletterpartie, hinaus aus selbigen hoch ans tageslicht, finden.

die band um den 27-jährigen martin henrik gustafsson kommt tod melancholisch daher, die geschundene seele umschmeichelnd, verständnisvoll und weich bettend, nur selten haarscharf nah dran an unangenehmer theatralik.

aber so weich und bequem mich dieses album in meine eigene melancholie einwickelt, auf eine ganz bestimmte sache komme ich gar nicht klar: nicht wenige der 20 stücke auf ‚the black tango' sind lediglich fragmente oder in form gebrachte ideen, die sich zeitlich unter eineinhalb minuten bewegen, oder sogar weniger. und die so oft so wunderschön beginnen, mit einer klaviermelodie, die einem hinfort trägt, einlädt zum träumen. oder mit einer songwriter-gitarre, die das herz zum schmelzen bringt. und gerade an dem punkt, an dem man beginnt loszulassen, zu aktzeptieren, an dem punkt ist schluss. die schöne melodie, der ergreifende song, das loslassen? zerstört weil zu ende! und zu kurz, zu langsam, zu langatmig, um einfach auf repeat zu drücken. denn beim nochmaligem durchlauf würde sich selbiges wiederholen, es würde sich wiederholen, dass man in dem moment, in dem man beginnt loszulassen und zu treiben in die beschissene realität zurückgeworfen wird. und das geht nicht!

oder ist das am ende womöglich vielleicht sogar absicht? wenn ja, dann wäre es verdammt hinterlistig, aber irgendwie genial. doch soll dies dahingestellt bleiben, komme ich ja doch nicht dahinter. zudem sind es zwar nicht wenige stücke, die dieses phänomen mit sich bringen, in der mehrzahl bleiben aber schließlich doch die ‚richtigen' songs, an die ich mich beim nächsten anfall von liebeskummer, trauer oder dergleichen erinnern werde, die ich hören werde, wenn ich da unten sitze und wieder lernen muss, wie man doch gleich wieder klettert, nach oben, hinaus aus dem loch, in das man gefallen ist. in dem es zwar schön sein kann, und es nötig ist, es mal gesehen zu haben. in dem man auf dauer jedoch drauf geht.

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