Lost In The Trees

Lost In The TreesA Church That Fits Our Needs

VÖ: 16.03.2012, Anti

Von Christoph Walter

Irgendwo in der leider viel zu langen Reihe der Bands, die trotz unüberhörbaren Talents immer ein wenig unter dem Radar fliegen, stehen auch Lost In The Trees aus Chapel Hill im US-Bundesstaat North Carolina. Das Folk-Kammerorchester um den klassisch ausgebildeten Komponisten Ari Picker veröffentlichte zunächst ein paar Platten bei Kleinstlabels, bevor es seinen Longplayer „All Alone In An Empty House“ im zweiten Anlauf doch noch bei Anti unterbrachte. Der erhoffte und angesichts der Qualität des Albums durchaus verdiente große Durchbruch blieb Lost In The Trees allerdings dennoch verwehrt. Vielleicht ändert sich das ja nun mit dem neuen, sehr ambitionierten, aber doch erstaunlich unangestrengten Werk „A Church That Fits Our Needs“.

In zehn Songs und zwei kleinen instrumentalen Einschüben widmet sich Ari Picker auf „A Church That Fits Our Needs“ dem allzu kurzen und recht tragischen Leben seiner Mutter, die im Jahr 2009 - während der Aufnahmen zu „All Alone In An Empty House“ - Suizid beging, nachdem sie bereits von Krebs über Depressionen bis hin zu bei der Geburt gestorbenen Zwillingen allerlei Unglück hatte erleben müssen. Entsprechend der sehr traurigen Thematik versteht es sich fast von selbst, dass „A Church That Fits Our Needs“ kein allzu beschwingtes Album geworden ist. Trotzdem gelingt es Lost In The Trees dennoch, die große Melancholie oftmals in erstaunlich luftigen, orchestralen Pop zu kleiden. Neu ist dieser scheinbare Gegensatz bei den Amerikanern zwar nicht (auf der letzten Platte handelte einer der schönsten, melodieseligsten Songs von einem Maler, der bei einem Unfall beide Hände verliert), aber diesmal schlagen Ari Picker und seine Mitstreiter einen wesentlich vielseitigeren, weniger am Folk orientierten Weg ein als zuletzt.

Das Ergebnis ist ein Album, das zwingender, durchkomponierter und mit seinem wie von Owen Pallett geliehenen Hang zum Kitsch zuweilen auch melodramatischer klingt als seine Vorgänger. Abgesehen vom bombastischen „Garden“, das wuchtige Streicher, Operngesang und eine glasklare Folkmelodie zu einem unwiderstehlichen Ganzen verschmelzen lässt, entfalten die meisten Stücke auf „A Church That Fits Our Needs“ ihre ganze Stärke noch nicht beim ersten Hördurchgang, sondern benötigen etwas mehr Aufmerksamkeit. Genau das dürfte aber ganz im Sinne Ari Pickers sein: Seiner verstorbenen Mutter ein musikalisches Denkmal zu setzen, das die Zeit überdauert.

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