Antlered Man

Antlered ManGiftes Part 1 and 2

VÖ: 02.03.2012, Noisolution

Von Christoph Hoffmann

"Giftes Part 1 and 2", das Debutalbum von Antlered Man aus London fängt verwegen an: Eine massive Stoner-Rock-Breitseite, energetisch, breitbeinig und voller flimmernder Gefährlichkeit. Das Schlagzeug wird erbarmungslos geprügelt, Gitarren zittern, Klischees galore: Die Wüste bebt, auf tätowierten Oberarmen tummeln sich Kobras, Totenköpfe, Schusswaffen und Harley Davidsons, Stirnbänder flattern im Wind. Wer sich dem Song in den Weg stellt, wird umgehauen, Gefangene werden nicht gemacht. Das Terrain ist scheinbar abgesteckt.

Oder etwa nicht?

Der zweite Song, ein seltsam vertracktes Lied voller Haken und Widersprüche ohne rechte Struktur, gekrönt von einem ebenso eingängigen wie nervtötendem Ein-Zeilen-Refrain, ändert die eingeschlagene Richtung spontan. Die harten Kerle fahren vorbei, wir hören eine experimentelle Schüler-Rockband. Was soll das nur?

Es folgen zwei außergewöhnlich gute, trickreicher Punksongs mit eingängigen Hooks und cleveren Breaks, gewürzt mit einer angenehmen Prise Wahnsinn, die fast das dämliche zweite Stück vergessen lassen. Das neu gewonnene Wohlwollen verpufft dann allerdings schnell wieder bei dem dummen Tiefpunkt des Albums, dem extrem schwachen Korn-Abklatsch "Surrounded by White Men", dem das absolute Highlight der Platte folgt, ein mit Tinwhistles und energetischem Frohsinn durchzogenes Spektakel namens "Buddhist Soup", voller überraschender Ideen, kluger Melodien und Dramaturgie, das wie eine Crossover zwischen den Beatles und The Mars Volta klingt. Ein umwerfend gutes Stück! Es geht wechselhaft weiter: Schleppender Prog folgt auf etwas Stoner Rock, daach fischt die Band im experimentellen Pop-Bassin. Wieder und wieder werden Umwege gegangen, nur um ausgetrene Pfade zu vermeiden. Das ist mit Sicherheit nicht immer der einfachste und nicht der nachvollziehbarste Weg, dafür aber der spannendere. Aber eben auch manchmal der, bei dem man sich verläuft.

"Giftes 1 and 2" ist ohne Zweifel ein sehr gutes Album geworden. Hätte die Band aber etwas mehr Stringenz in dem Album gehabt und auf mindestens zwei der Lieder verzichtet, hätte es ein herausragendes Album sein können. So muss der Hörer dankbar für die Vorspultaste sein.

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