Burnt Friedman

Burnt FriedmanBokoboko

VÖ: 03.02.2012, Nonplace

Von Jakob Siedlecki

'bokoboko' macht es einem nicht leicht. abstrakte rhythmussalven erzählen gleich zu beginn der platte von minimal music und ihren phasenverschiebungen. phasenverschiebung? spielt ein instrument eine melodie aus vier noten und ein weiteres eine aus fünf noten als loop, und beide beginnen zur selben zeit im selben tempo, so wird bei jedem durchgang ein neues loop entstehen. schließlich ist die melodie von instrument zwei um eine note (einen schlag) länger, und somit schieben sich die melodien bei jedem durchgang um einen schlag auseinander, bis nach vier durchgängen schließlich wieder beide melodien mit ihrer anfangsnote beginnen.

ein wenig viel musiktheorie? wer sich mit burnt friedmans 'bokoboko' wirklich ernsthaft auseinandersetzen möchte, wird wohl nicht drumherumkommen, sich eine handvoll davon anzueignen. und selbst für versierteste meister von rhythmus sind die zehn stücke eine hirnmarterung par excellence.

'bokoboko' heißt auf japanisch so viel wie hohl, und die platte ist in der tat voll von instrumenten mit gewaltigen hohlorganen. da wird herzhaft auf gongs, ölfässer und steeldrums eingeschlagen, eine schicht aus nervösen trommeln schiebt sich wie eine dicke wolke über klappernde metallpercussion, dazu gibt eine 4/4-bassdrum den anschein eines gerade rhythmus. fast höhnisch stampft sie in 'uzu' neun minuten unbeirrt mütterlich vor sich hin, während die percussion-instrumente wie hyperaktive kinder nicht ihre hand halten wollen, sondern irr um sie herumherumtollen.

melodie wäre da fehl am platz, schließlich geht es hier um die auslotung von groove, einem groove, der aus mehr als verqueeren, schiefen takten besteht. wie jaki liebezeit, ehemaliger drummer von can und mit friedman als 'secret rhythms' tätig, auch einmal meinte, müsse man, um groove zu erzeugen, „monoton spielen, also immer wieder das gleiche, den gleichen rhythmischen zyklus wiederholen, wiederholen, wiederholen“. während eine ähnliche intention im techno durch ständige rythmische wiederholung den tänzer in trance fallen lässt, krankt 'bokoboko', sollte liebezeits intention auch auf besprochene platte zutreffen, gerade an der unkenntlichkeit der wiederholung. die takte sind derart schief, dass man sich bei bestem willen die zyklischen muster zunächst nicht merken kann, geschweige denn ihre wiederholung wahrnimmt. eine art hypnose entsteht aber durchaus aus der zyklenhaftigkeit der klänge: alle instrumente zur gleichen zeit kann man nicht wahrnehmen, zu komplex ist ihre verortung im rhythmus; indem man sich aber auf einzelne töne konzentriert, wird mit der zeit ihre wiederholung durchsichtiger.

hat man diesen grashalm ergriffen, lässt sich 'bokoboko' auch irgendwie fassen und stück für stück, groove für groove erforschen. der einstieg allerdings ist ein harter: so komplex wie burnt friedman musiziert wohl zur zeit keiner.

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