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Die Antwoord - Ten$ion
 
 

Die AntwoordTen$ion

 

Die Antwoord, dieses gleißend hell strahlende Absurditätenkabinett, diese südafrikanische Wiederspiegelung jeden Klischees, das der amerikanische HipHop in den letzten 30 Jahren hervorgebracht hat, diese unfassbar hanebüchene Band ist wieder da. 2010 hatten Ninja, YoLandi Vi$$er und DJ Hi-Trek mit „Enter the Ninja“ nicht nur einen unglaublichen Hit hatte, sondern mit „Zef“ auch gleich noch einen eigenen Musikstil erfunden, der sich irgendwie aus Größenwahn, Kirmestechno, Vorstadt-Straßen-Atmosphäre, Rave und einer ganzen Menge sonderbarem Humor zusammensetzt. Ninja, der explizit hässliche Gangsta, der mit nacktem, dünnen und auffällig schlecht tätowiertem Oberkörper mit afrikaansem Dialekt über seine Ninja-Moves rappt, die rehäugige YoLandi Vi$$er, die halb Lady Gaga, halb Mädchen von Nebenan ist und DJ Hi-Trek, der immer etwas dümmlich hinter den beiden schillernden Gestalten steht und Punkte am Horizont fixiert, dieses hinreißend bescheuerte Trio war für einen Moment das Aufregendste, was der globale Pop zu bieten hatte. Es konnte keine bessere Band geben. Es konnte keinen besseren Song als „Enter the Ninja“ geben.

Ist es überhaupt möglich, an diesen überraschenden Erfolg anzuknüpfen? Funktioniert das, was vor zwei Jahren so frisch und unerwartet und dazu so komisch war noch einmal? Die Erwartungshaltung an Ten$ion ist gewaltig hoch – aber bereits nach 47 Sekunden verfliegen alle Zweifel. Das erste Lied beginnt mit getragenem südafrikanischen Gesang – und nach 47 Sekunden proklamiert Ninja mit breitem Akzent und alles überstrahlendem Selbstbewusstsein: „I´m indestructible“ und herrlich kitschige Bässe wummern los. Das ist so wunderbar großspurig, so episch und so mitreißend pathetisch, dass das Album nur noch gewinnen kann. Was für ein Auftakt. De fokkin Antwoord sind wieder da!

Und es geht spektakulär weiter. YoLandi Vi$$er singt mit hochgepitchter Stimme in „I Fink You Freeky“ zu billigen, aber sofort wirksamen Synthie-Sounds daher, schwankt dabei zwischen Bedrohlichkeit und Lolitahaftigkeit , dann beginnt Ninja zu rappen und der Song mutiert zu einer peitschenden, stampfenden Euro-Dance-artigen Orgie, in „Hey Sexy“ wird YoLandi dann wütend und beweist höchst eindrucksvoll, dass auch sie irrsinnig gut rappen kann. In jedem der Lieder passiert etwas neues, was aber immer unverkennbar die Antwoord ist. Die Musik pulsiert im großen Spannungsfeld zwischen Rave und HipHop und ist immer extrem abwechslungsreich, die Texte sind clever und sexistisch, triefend ironisch, strotzend vor Gangsta-Rap-Klischees und Anspielungen auf die Popkultur und durchweg in afrikaansem Dialekt gesungen, was die absonderliche Mischung noch etwas exotischer klingen lässt. Die Antwoord hat sich nur unwesentlich weiter entwickelt, was im höchsten Maße erfreulich ist. Auch wenn Ten$ion insgesamt vielleicht ein klein wenig dunkler geworden ist als das Vorgängeralbum $O$, klingen Ninja, YoLandi und Hi-Trek immer noch genauso frisch, sonderbar und aufregend, wie damals.

Es gibt nur Weniges, was an diesem Album negativ auffällt. Einige kleine Spoken-Word-Passagen, die witzig gemeint sind, unterbrechen den Fluss des Albums etwas und einige der elektronischen Sounds sind vielleicht etwas zu nah dran an Lieder, die man sonst nur aus der Autoscooterbeschallung kennt. Aber das sind Kleinigkeiten, die die riesige Party, die hier gefeiert wird, nun wirklich nicht stören.

onlyaghost
 

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