VierkanttretlagerDie Natur Greift An
VÖ: 27.01.2012 // Unter Schafen Records

Zwischen Tocotronic und Turbostaat passt noch eine Indiepunkband. Gern auch zwischen Fotos und Frau Potz, wer es etwas nischiger mag. Vierkanttretlager, ein junges Quartett aus Husum möchte diese Lücke ausfüllen. Die Band legt ihren Erstling „die Natur greift an“ vor, auf dem sich Sänger und Texter Max Richard Lehmann mit der menschlichen Sterblichkeit, dem Altern und dem Verlassen der nordischen Heimat beschäftigt. Klingt nach einem Konzeptalbum und einem waghalsigem Unterfangen. Beides stimmt. Gelingt jedoch überraschend gut. Einige Zeilen wirken noch etwas bemüht und manche Arrangements noch ein wenig klischeehaft und, aber sowohl auf textlicher wie auf musikalischer Ebene behält die Band über weite Strecken des Albums einen klaren Kopf und umschifft sicher die scharfen Felsen der Fremdscham. Natürlich lassen die Vier sich hörbar oft beraten von erfahren Deutschrockkapitänen. Thees Uhlmann hilft manchen Vokal lang zu ziehen und Dirk von Lowtzow berät den Tretlager-Sänger: „Du bist nicht mehr in Husum, Max!“ „Husum? Verdammt!“ brüllen da Turbostaat wütend in den Proberaum der vier Jungs. Die Deutschpunks wissen nichts Gutes von jenem Ort am Meer zu berichten und auch Vierkanttretlager fühlen sich in ihrer Heimat unwohl. Während der Flucht aus dem Elternhaus stellen sie sich tiefschürfende Fragen wie: „Kann ich noch zum Menschen werden?“ Im letzten Viertel des Albums findet sich mit „die Natur greift an I, II & III“ eine Songtrilogie die das Verhältnis Mensch – Natur – Zeit beleuchtet und versucht existentielle Fragen zu beantworten. Auf dieser Zielgeraden findet die Band musikalisch und textlich am meisten zu sich und ihrem Konzept(album).
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ina am 03.02.2012 um 11:59 UHR
ich habe ganz und gar nicht den eindruck, dass sich vierkanttretlager in ihrer heimat unwohl fühlen. wie kommst du darauf? das ganze album strotz nur so vor musikalischen, optischen und textlichen, wenn auch oft versteckten, kleinen liebeserklärungen. da muss man mal 'zwischen den zeilen' hören/lesen/gucken ;)
und darf man das wort deutschrock eigentlich überhaupt noch benutzen? ist das nicht auf dem index? bääähh. husum, verdammt! ich freu mich auf heute abend.