SportAus der Asche, aus dem Staub
VÖ: 27.01.2012 // Strange Ways

Seit nunmehr fünfzehn Jahren halten Sport die Fahne der Hamburger Schule hoch. Seit nunmehr fünfzehn Jahren machen sie deutschsprachigen Befindlichkeitspoprock mit klugen und poetischen Texten. Während Tocotronic als Feuilleton-Lieblinge in kryptische Gefilde vordringen, die Sterne inzwischen auf Discotauglichkeit setzen und Blumfeld sich gefährlich nah an den Schlager gewagt haben, bevor sie sich dann doch lieber aufgelöst haben, machen Sport einfach weiter und bleiben sich treu. Das ist natürlich aller Ehren wert. Sport klingen noch immer so wie damals. Und deshalb inzwischen auch etwas altbacken.
Einige der Lieder auf "Aus der Asche, aus dem Staub" sind leider schlichtweg nichts besonderes mehr. Vieles hat man in der Art schon unzählige Male gehört – und das schon vor vielen Jahren. So schwer es ist, das über eine so verdiente und wichtige Band zu sagen: Streckenweise ist das Album fast schmerzhaft unmodern und überholt. Das Lied "In einem Land nach unserer Zeit" strotzt vor müden Plattitüden, "Was du suchst" klingt nach einem Potpourri der aktuellen Radiobelanglosigkeiten, "Wer führt dein Leben" nach einer Element of Crime-B-Seite von 1992. Etwas kitschig, etwas verstaubt und leider auch ein bisschen überflüssig.
Demgegenüber stehen aber immer noch wunderbare Lieder, in denen die volle Klasse dieser grundguten Band offensichtlich wird. "Der Tod singt den Blues" etwa, oder "Trotzdem" sind, auch wenn sie handwerklich solide-unspektakuläre Rock-Lieder sind, aufregend, emotional und zeitlos gut. Wenn Felix Müller laut wird und über das Leben singt, tut er das voller Leidenschaft, Aufrichtigkeit und dem Wissen darum, niemandem mehr etwas beweisen zu müssen.
Vermutlich sind Sport nicht mehr die einflussreiche Band, die sie einmal waren. Vermutlich wissen sie das auch und vermutlich nehmen sie es gelassen. "Wir treiben weiter" singen sie am Ende, "immer weiter, [...] kaum sehen wir, was kommt."
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