Einar StrayChiaroscuro
VÖ: 20.01.2012 // Sinnbus Records

Sieben Songs. Für andere ist das eine EP, die in knapp 20 Minuten über die Bühne gebracht ist. Bei Einar Stray dauern sieben Songs mehr als 50 Minuten und ergeben in der Summe ein Debütalbum, bei dem man als Hörer kaum aus dem Staunen herauskommt. So ausgefeilt und rundum gelungen ist „Chiaroscuro”, dass man sich unweigerlich fragt, was der gerade einmal 21 Jahre alte Norweger, der schon im Teenageralter erste musikalische Ausrufezeichen setzte und später die Band seines ähnlich talentierten Landsmannes Moddi verstärkte, wohl in Zukunft noch alles aus dem Ärmel schütteln wird.
Wer Pate stand für die Arrangements auf “Chiaroscuro”, lässt sich schnell heraushören. Die Lust am Ausladenden (die Acht-Minuten-Grenze wird gleich mehrmals überschritten, “Teppet Faller“ erstreckt sich sogar über beinahe zehn Minuten) und dem Wechsel aus traumhaft Schönem und etwas lautstärkeren Passagen wurde von Sigur Ros abgeguckt, den Hang zum Opulenten mit Streichern und wuchtigen Bläsersätzen steuerten Arcade Fire bei, die gezupfte Violine am Anfang von “We Were The Core Seeds” hätte sich auch Owen Pallett nicht besser ausdenken können und die mehrstimmigen Chöre in “Arrows” und “Caressed”, den beiden besten Stücken der Platte, lassen an Sufjan Stevens denken. Trotz dieses prall gefüllten Referenzkästchens wirkt “Chiaroscuro” aber dennoch zu keinem Zeitpunkt wie ein bemühter Versuch, den Großen nachzueifern, sondern vielmehr wie das Werk eines gnadenlos talentierten jungen Genies, das die Ideen seiner Helden aufgreift, weiterspinnt und schließlich mit einer unverkennbaren eigenen Handschrift versieht.
Wie gesagt, Einar Stray ist erst 21 Jahre alt und mit Sicherheit noch längst nicht am Ende seiner künstlerischen Entwicklung angelangt. Deshalb mag es auch etwas vermessen erscheinen, bei seinem Debüt “Chiaroscuro” schon von einem Meisterwerk zu sprechen, aber: Ein Meisterwerk!
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