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Radical Face - The Family Tree: The Roots
 
 

Radical FaceThe Family Tree: The Roots

www.radicalface.com

VÖ: 20.01.2012 // Nettwerk

 

Seit sein Song „Welcome Home, Son“ in der Werbung eines bekannten Kamera-Herstellers zu hören war, hat es Ben Cooper alias Radical Face vom Insider-Tipp zum Klickmillionär auf youtube gebracht und auch dem Verkauf des dazugehörigen Albums „Ghost“ dürfte das gewachsene Publikumsinteresse nicht geschadet haben. Für andere Künstler wäre solch eine günstige Ausgangssituation Grund genug, mit ihrem kommenden Longplayer aufs ganz große Geld zu schielen, aber wenn es etwas gibt, was den etwas kauzig wirkenden Ben Cooper herzlich wenig interessiert, sind es schneller Ruhm und die damit verbundenen finanziellen Vorzüge. Seit jeher zeigt sich der Musiker aus Jacksonville in Florida, der neben Radical Face außerdem eine Hälfte des grandiosen Duos Electric President stellt und in diversen weiteren Bands und Soloprojekten aktiv ist, sehr großzügig mit kostenlosen Downloads und tauscht ganze Alben gegen allerlei Tand und Kram, den ihm seine Hörer zuschicken.

So überrascht es kaum, dass „The Family Tree: The Roots“ ein sehr unkommerzielles Album geworden ist, das sich nichts aus potenziellen Hits macht, sondern vielmehr ein anspruchsvolles Konzept verfolgt. Die Platte ist der Auftakt zu einer Trilogie, die die Geschichte einer (fiktiven) Familie vom 19. Jahrhundert bis hin zur Gegenwert nachzeichnet - eine Herzensangelegenheit für den begabten Schriftsteller Ben Cooper. Entsprechend der Zeit, in der die ersten elf Songs des Zyklus angesiedelt sind, wurde „The Family Tree: The Roots“ ausschließlich auf Instrumenten eingespielt, die bereits im 19. Jahrhundert verfügbar waren, weshalb es wenig mehr zu hören gibt als eine akustische Gitarre, ein Klavier, simpel gehaltenes Schlagwerk, ein paar vereinzelte Streicher und natürlich Ben Coopers sanfte, immer leicht brüchige Stimme, die in einzelnen Szenen mal bedeutsame, mal beiläufige Begebenheiten aus dem beschwerlichen Leben bitterarmer Einwanderer erzählt. In der Summe entsteht so ein hervorragendes Folk-Album, das sich zuweilen spröde und wuchtig gibt, an anderer Stelle - wie in den beiden überragenden Stücken „Ghost Towns“ und „Always Gold“ - aber so zärtlich und berührend daherkommt, dass man kaum anders kann, als sich schon jetzt nach den kommenden beiden Teilen der Trilogie zu sehnen.

christoph
 

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