Bondage FairiesBondage Fairies
www.myspace.com/bondagefairiessweden
VÖ: 20.01.2012 // Audiolith Records

www.myspace.com/bondagefairiessweden
VÖ: 20.01.2012 // Audiolith Records
In diesem Jahr bringt die schwedische Band Bondage Fairies bereits ihr drittes Album heraus - diesmal heißt es simpel ebenfalls Bondage Fairies und erscheint am 20. Januar auf Audiolith Records, jenem selbsternannten "Krawall-Tunes"-Label, das von sich selbst behauptet, Dancefloor und Punk zu vereinen. Songwriter Elvis Creep ist mittlerweile nicht mehr nur im Duo unterwegs, sondern konnte noch zwei weitere Musiker für die Band gewinnen. Was kann man also von diesem Album erwarten? Bekannt geworden sind Bondage Fairies mit ausgedehnten Auftritten durch ganz Europa, bei denen sie ihren Chiptune-basierten Electropop zum Besten gaben.
Interessant wäre doch es doch daher einmal, wie eine Gruppe es schaffen könnte, diesen schon mehrere Jahrzehnte alten Chiptune-Sound weiterzuentwickeln - und nicht nur viele Jahre verspätete Videospiel-Jingles zu schreiben. Innovation sucht man allerdings auf diesem Album vergebens - aber wie auch in einem Genre, das so fundamental auf Retromanie und Nostalgie basiert? Die Bondage Fairies haben es nicht geschafft, dem Genre einen neuen Anstrich zu geben, stattdessen hofft dieses halbstündige Album darauf, die Sehnsucht der Hörer nach ihrer eigenen Kindheit - falls diese bereits abgeschlossen ist - anzusprechen.
Nun ist es allerdings nicht so, dass man Musik nur nach Innovation bewerten sollte - zahlreiche brillante Alben der letzten Zeit haben sich ausführlich bei der Musik vergangener Jahrzehnte bedient - von den Popgruppen der 60er bis zum 90er Grunge stand mittlerweile wohl fast jede Band einmal Pate für irgendein Musikprodukt des 21. Jahrhunderts.
Anders als vom Label angepriesen, lässt sich hier kein Punk wiederfinden. Die Tracks auf Bondage Fairies sind chiptune-basierte Popsongs, die sich meist um Liebe drehen - wer hier politphilosophische Statements erwartet, ist fehl am Platz. Das wäre verzeihlich, wären die seichten Texte durchweg von funkelnden Synth-Hooks unterlegt, jedoch muss man aufmerksam hören, um solche zu finden. Am besten schafft die schwedische Gruppe es bereits im Albumopener "…", der mit einem fulminanten Chorus aufwartet, in dem starke Gitarren gekonnt um elektronische Parts herumwirbeln. Leider vermag der Rest der Platte nicht, noch einmal an diesen Moment heranzukommen - allerhöchstens der letzte Track dieses Albums ist noch einmal von Interesse - allerdings auch nur für die erste Minute und 15 zusätzliche Sekunden: Bevor die einschläfernde Strophe beginnt, bietet dieser Song eine hochinteressante elektronische Produktion - und das, obwohl die Band sich hier von ihrem üblichen Stil am weitesten entfernt hat. Wohldosierte Hall-Effekte sorgen hier das erste Mal nicht für abgestandene Atari- oder Gameboy-Atmosphäre, sondern für das Gefühl, dass hier durchaus Ambition vorhanden ist.
Alles in allem lässt sich sagen, dass die besten Momente auf diesem Album dann entstehen, wenn die Bondage Fairies sich von ihrem chiptune-dominanten Sound entfernen. Gitarren stehen der Gruppe und zeigen, dass das Talent dieser Gruppe über bloßes Gedudel hinausgeht - dieses Album ist allerdings größtenteils eine Enttäuschung - nicht, weil hier das Talent fehlt, sondern weil Bondage Fairies ein Ausdruck des Unvermögens ist, ebenjenes Talent zu bündeln.
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