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Diagrams - Black Light
 
 

DiagramsBlack Light

 

was tun, wenn man nicht mehr mit vollem herzen bei der sache ist und sich nach und nach immer mehr unzufriedenheit breit macht? am besten man nimmt eine auszeit. das dachte sich auch sam genders, ehemals frontmann der band tunng. als die musikalischen sowie persönlichen kratzer immer größer wurden, zog er die notbremse, klinkte sich aus dem bis dato herrschenden alltag aus und versuchte vor allem sich selbst wieder näher zu kommen. dafür hängte er die band an den nagel, arbeitete drei jahre als grundschullehrer und lernte in dieser zeit eine menge über sich selbst. dinge, die sich dann letztendlich auch positiv auf sein wieder entfachtes musikalisches feuer auswirkten. dieser mut zur selbshilfe mit anschließendem kreativschub führte dazu, dass die spielfreude zurückkehrte und genders auf langer distanz an den punkt gekommen war, an dem er mit sich selber mehr im reinen war als jemals zuvor.

der optimist würde nun behaupten, dass die einst schwierige phase genau so und nicht anders kommen musste, damit eine verschiebung der bestehenden verhältnisse erreicht und zu guter letzt ein für den künstler beflügelnder, kreativer moment entstehen konnte, aus dem dieser nicht nur persönlich gestärkt, sondern vor allem musikalisch befreiter hervorzutreten vermochte. sam genders merkt man diesen befreiungsschlag seines neuen solo-projekts namens diagrams deutlich an. er schuf mit seinem debütalbum "black light" in zusammenarbeit mit seinem produzenten mark brydon (moloko) ein in sich ruhendes album, das sich dennoch fernab jeder trägheit bewegt. es heisst nicht umsonst "in der ruhe liegt die kraft", und auch die insgesamt neun songs schöpfen daraus. weniger im druckvollen sinn, sondern vielmehr unter dem deckmantel klarer pop-melodien, deren zartheit meist einen unbeschwerten ton nachklingen lässt.

doch orientiert sich die song-sammlung bestehend aus einer fülle von wohligen harmonien nicht nur am braven pop-song-image, das alle ecken und kanten gleich mit dem ersten ton ausbügelt. low-key pop wird zwar groß geschrieben, aber nicht nach einem steifen muster auf's neue in die tat umgesetzt. trotz des vergleichsweise minimalistischen ansatzes spart sam genders nicht mit abwechslungsreichen feinheiten wie funkigen grooves oder synthesizer-bässen, die das gesamtbild stets mit einer frischen note bereichern und darüber hinaus äusserst dancefloor-taugliche songs schaffen ("tall buildings"). dass genders aber auch abseits gängiger pop-rezepte ein händchen für die geschmackliche ausrichtung der songs hat, beweist zum beispiel seine experimentierfreude mit komplexeren, rhythmischen strukturen sowie dem einbeziehen von bläsern und chören auf "antelope". die warme sanftheit in bezug auf die stimme bleibt dabei konstant erhalten und vermittelt innerhalb kürzester zeit eine nähe zum songmaterial, die völlig ungezwungen entsteht und leichtfüßig daherkommt. damit hat "black light" dem gegenwärtigen angeknacksten, gekünstelten pop-geschehen schon jetzt ein reizvolles song-paket entgegengesetzt.

annett
 

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