Active ChildYou Are All I See
VÖ: 21.10.2011 // Vagrant Records

VÖ: 21.10.2011 // Vagrant Records
Ein deutlicher Hang zum Sakralen macht sich nicht nur ab den ersten Tönen des Debüts von Patrick James Grossi alias Active Child bemerkbar: auch im Booklet posiert der junge Engländer allein in einer Kirche und gibt seinem Album folgerichtig denn auch einen religiös-metaphorischen Namen. Gedacht als Brücke zwischen zwei Einsamkeiten meint „You are all I see“ genauso gut den Gedanken des Sängers an seinen Hörer, als auch die intime Anteilnahme des Musiklauschenden, der sich hineinversetzen möchte in den schönen Klang.
Dies wenige zu dem Konzept gesagt, wird auch die musikalische Umsetzung des Solo-Projektes gleich ganz handfest, in dem die Songs oft nicht über ein träumerisches und dahin jammerndes Dasein hinaus kommen, dem es ein wenig an Orientierung und fester Struktur fehlt, die in den Ohren des so direkt angesprochenen Hörers weiterleben könnte. Die entfaltete Wirkung ist deshalb auch eher eine hypnotische: Schon im Eröffnungsstück webt sich in die Drum-Effekte und Sythesizer aus den 80'ern eine Harfe so beständig und glitzernd, dass man ihr unironisch einen Angriff auf das eigene Unterbewusstsein unterstellen darf.
Ist man dann erst einmal in der Trance angekommen, gelingt es so leicht nicht, wieder aus ihr herauszufinden: Der Gesang, der bisweilen sehr an das Falsett von Hayden Thorpe von den Wild Beasts erinnert, schwebt nämlich auf Albumlänge sphärisch und einlullend herum. Nur selten – und in den besten Momenten von „You Are All I See“ – gelingt es, dass die Stimme die wabernden Songskizzen an sich ziehen und so in einen Refrain leiten kann, obwohl man irgendwie wahrnimmt – und sich denkt: vielleicht gehört das ja zum transzendenten Programm! –, dass hier jedes Stück eigentlich eine Hymne werden wollte, aber keines es bis dahin schaffte. Die Rettungsversuche von Ausflüchten in R&B-Richtungen, wie in der ersten Single mit dem sprechenden Namen „Playing House“, berühren leider auch eher unangenehm, weil sich der ironische Bruch des Titels nicht in der schiefen und lahmen Instrumentierung zeigen kann...
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