Boys NoizeThe Remixes 2004-2011
VÖ: 02.12.2011 // Boys Noize

VÖ: 02.12.2011 // Boys Noize
alex ridha a.k.a boys noize ist nicht gerade für die zimperliche spielart bekannt. steht er hinter den plattentellern oder im studio, fliegen die fetzen. bässe surren hoch und runter, hyperaktive drums rackern sich nahe an der grenze zur übersteuerung ab, fiese sinustöne blitzen hier und da auf. so zumindest kennt man es von seinen alben 'oi oi oi' und 'power', letzteres sicherlich vom titel so programmatisch wie man es ahnt.
subtiler sind da seine remixe, die bestimmt keinen geringen beitrag zu seinem durchschlagenden erfolg beigetragen haben und nun gesammelt als 'the remixes 2004-2011' vorliegen. die bandbreite an durch den sampler gezogenen künstlern ist groß, von kollegen wie apparat und modeselektor über chanteusen wie charlotte gainsbourg reicht die palette sogar bis zu goth-opa marilyn manson. jedem zollt ridha respekt. fett und verzerrt kann es gerne sein, verlangt das ausgangsmaterial allerdings eine feinere bearbeitung, wird nur behutsam an den knöpfen gedreht. feists 'my moon my man' beispielsweise wurde so schon früh zu einem club-klassiker: der stampfrhythmus des originals wird beibehalten, energetischere drums treiben voran, dicke synthesizerflächen verleihen dem ganzen weite und harmonisch wird mit der originalen gesangsspur das grundgerüst so gelassen, wie es ja schon perfekt war. mit der vocoder-hook noch dazu entstehen club- und wohnzimmertauglichkeit zugleich, ein trademark, das boys noize besonders schätzt: während reine clubedits von der wiederholung leben und gerne die zehn minuten-marke sprengen, halten sich die meisten der 24 tracks zeitlich im rahmen und frönen in ihrem aufbau dem pop. snoop doggs zu unrecht vernachlässigte single 'sexual eruption' wird mit minimalen mitteln maximal deep, nerds hot'n'fun mit nelly furtado wird seines kargen klangs beraubt, sodass es auf großen anlagen noch hireißender klingt.
natürlich schießt man als remixer auch gerne mal über das ziel hinaus, und so hätte justices phantom pt. II, das sowieso schon auf einem überhitzten motor läuft, nicht noch zusätzliche drehzahlen über den roten bereich hinaus gebraucht. und gonzales' 'working together', das eigentlich voller ironie einer musik huldigt, die man hört, bevor man einen wirklichen musikgeschmack entwickelt, wird seiner doppelbödigkeit beraubt. außerdem braucht anno 2011 wirklich niemand wild und wüst zusammengecuttete vocals mehr.
boys noize hat sicherlich einen eigenen stil entwickelt, und die remixe zeugen von seiner entwicklung über die jahre hinweg zu einem der gefragtesten performer der szene. 'the remixes 2004-2011' ist unterhaltsam, man hat aber den eindruck, als höre man radio: in immer kürzeren abständen wird mit immer aberwitzigeren effekten um die aufmerksamkeit des hörers gebuhlt, die stile werden wild durcheinandergemischt, und am ende man fühlt sich ein wenig fad.
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