Logo
Me Succeeds - Rongorongo
 
 

Me SucceedsRongorongo

www.mesucceeds.de

VÖ: 01.12.2011 // I Saw Music

 

Sein Titel mag anfangs etwas seltsam klingen, doch „Rongorongo“ ist ein ernsthaftes Werk geworden. Eines, das sehr erwachsen agiert, gerade weil es die Türschwelle des Sag- und Verstehbaren mit Kinderschuhen beklopft. So wird einerseits textlich die Kindheit als Verlust der Orientierungshilfe von Lob wie Tadel und der Flucht ins Stell-Dir-vor begriffen; andererseits erscheint die Musik in Prägnanz und Struktur so fest wie nie.

Das Hamburger Trio entdeckt auf seinem vierten Werk eine Ruhe und Zurückgenommenheit, welche die älteren Platten noch nicht kannten. Ganz unmittelbar merkt man das schon an der bewussteren Instrumentierung, welche auf die Verzerrungen und Lo-Fi-Ansätze verzichtet, die bei dem Vorgänger „Riemerling“ noch mitbestimmend waren. Auch wenn man auf die Stimme von Sängerin Mona Steinwidder hört – auch auf die von Lorin Strohm, dessen Rolle als Gesangs-Counterpart gut herausgearbeitet wurde –, zeigt sich sofort die neue Klarheit. Sie hat den charakteristisch leisen Gesang ihres Solo-Projekts (als Mohna) mit in die Band genommen und dort damit weitere Facetten einer sanften Eingängigkeit eröffnet, die man andernorts schwer findet.

Auch wird mit dieser Ruhe ein Raum eröffnet, in dem Aussagen plötzlich wieder ganz leicht sein können, und der genutzt wird, um in den Texten auf vielfache Weise Verständigung zu thematisieren. Wie im berühmten Kinderbuch von J. M. Barrie tritt der Wunsch auf, nicht älter zu werden und nichts zu verändern um nichts danach bereuen zu müssen. Deswegen gibt es hier auch diese fantastische Sicherheit, dass alles gut gehen kann, wenn man auf den Anderen aufpasst. Genauso werden aber auch Fragen gestellt, die das Wissen um die Machtlosigkeit im Miteinander befürchten lassen und schließlich eine tragische Unübersetzbarkeit vom einen ich zum anderen in den Vordergrund rücken. Jene antike Sprache der Osterinsel namens „Rongorongo“, die unverwandt mit jeder anderen ist und bis heute unentschlüsselt, wird so zum Bild ganz persönlicher Barrieren, die zwischen zwei Menschen stehen.
Die Frage: „Was kann man sagen?“ schält sich so immer deutlicher hervor und findet ihren Echoraum in den minimalen Strukturen der Musik. Wenn sich auch an der grundsätzlichen Instrumentierung in der Band nichts geändert hat, so doch der Umgang mit ihren Ausdrucksmitteln, welche, sparsam eingesetzt, die einzelne Melodie stark machen. Auf diese Weise wird auch hier eine bestimmte Leichtigkeit bewahrt und – nicht nur in dem besonders eingängig gespielten Bass von Sebastian Kokus – auch eine Form der Gelassenheit.

So führt die Musik, die durch die Texte wirkt, zu einem Gedanken, der so grundlegend ist, dass man Me Succeeds danken sollte, dass sie ihn aus der Verdrängung seiner Selbstverständlichkeit wieder hervorholten: Dass nämlich auch Musik erst einmal eine Form der Verständigung ist...

Und so taucht plötzlich etwas bei „Rongorongo“ auf: Es ist etwas Verbindendes.

sven
 

Kommentar abgeben

 
 
 
 
 
Kommentar absenden
 

Kommentare müssen nach dem Absenden per E-Mail bestätigt und aktiviert werden. Achtet daher bitte auf die korrekte E-Mail-Adresse. Kommentare die in der Vergangenheit schon einmal aktiviert wurden, werden sofort veröffentlicht.

 
 
Real Time Web Analytics