Logo
Peaking Lights - 936
 
 

Peaking Lights936

 

Eine herzerwärmende Liebesgeschichte: Aaron Coyes, der plattensammelnde Musiknerd, der aus alten Synthesizer neue zusammenbastelt und mit drogenrauschinspirierter Bandprojekten durch die Welt tingelt, trifft irgendwann, tief in einer Sommernacht, in einem einsamen Whirlpool Indra Dunis, die Produzentin, Bandbetreuerin, Sängerin, Drummerin, Fotografin und überhaupt Multitalent - seine Traumfrau. Sie hat ihre Wurzeln im Post-Rock, er in sonderbarer, psychedelischer Goth-Musik. Gänzlich verschiedene musikalische Ideologien, Erfahrungen und Herangehensweisen, Vorstellungen und Lebensentwürfe treffen in dieser Sommernacht, in diesem Whirlpool aufeinander - am nächsten Morgen sind Aaron und Indra verliebt, beschließen, Musik miteinander zu machen. Es folgen ein paar höchst seltsame Projekte (Aaron beschreibt so etwas etwa gerne als "a heavy death pulse electronic psych zone, inspired by world music"), bei denen es immer wieder zu Streitereien kommt: Aaron will, dass Indra improvisieren lernt, Indra will, dass Aaron den Songs richtige Konzepte gibt. Die kühle Strukturistin auf der einen Seite, der versponnene Freigeist auf der anderen. Weil die beiden meist mit Aarons Freunden spielen, wird sie meist überstimmt.

Irgendwann auf dem Weg zu einem Konzert in Texas sitzen die beiden dann zu zweit im Auto und ihnen geht das Benzin aus. Um Geld für neues zu verdienen, gründen sie mal wieder eine Band, diesmal nur die beiden. Die Geburtsstunde der Peaking Lights. Eine Band, die entstanden ist, weil zwei sich Liebende, konzeptuell aber weit auseinanderstehende Menschen im amerikanischen Nirgendwo kein Geld mehr für Benzin haben.

Endlich kann sich Indra durchsetzen und den Songs eine Struktur geben, wobei sie aber Aaron immer noch Raum für Improvisation gibt. Er spielt auf den selbstgebauten Synthies, lässt allerlei Sonderbarkeiten in die Songs einfließen, Western-Gitarren, kosmische Sounds, Dub, Psychedelica, Vogelgezwitscher, den Sounds von verstaubten Jukeboxen, Surfgitarren, schwebende Untertassen und kaputte Klaviere. Jederzeit hörbar ist das Alter der Synthesizer, 936 klingt zwar sehr modern, reiht sich gut irgendwo im sogenannten ChillWave zwischen Neon Indian und Beach House ein, hat aber trotzdem eine schicke, Retro-Stimmung versprühende Sepia-Note. Trotz Aarons überbordender Kreativität artet das Album nie in (zu) abgehobene Hippie-Krautrock-Sphären aus, sondern bleibt entspannt, zurückgelehnt und in seiner Weirdness immer angenehm, was natürlich Indra zu verdanken ist. Mit etwas Schlagzeugspiel und starkem Gesang gibt sie den Liedern Struktur. Ihre Art zu Singen erinnert stets an Nico und ihre Zeit beim Velvet Underground, sie singt aus vollem Hals und mit sehr energetischer Akzentuierung, sehr kräftig und sehr dominant, wobei sie, wie Romy Croft von the xx ihre Stimme teils auch als Instrument versteht und einfach in den Fluss des Liedes einbettet, wodurch sich ein sich angenehm hinziehendes Treiben einstellt. Aaron und Indra haben, auch wenn sich das jetzt sehr kitschig anhört, alle ihre Gegensätze in Einklang gebracht. Das Ergebnis ist ein wunderbares Album geworden.

onlyaghost
 

Ein Kommentar

Ich am 22.01.2012 um 19:20 UHR

Schön gesagt.
Wahnsinnsalbum.

Kommentar abgeben

 
 
 
 
 
Kommentar absenden
 

Kommentare müssen nach dem Absenden per E-Mail bestätigt und aktiviert werden. Achtet daher bitte auf die korrekte E-Mail-Adresse. Kommentare die in der Vergangenheit schon einmal aktiviert wurden, werden sofort veröffentlicht.

 
 
Real Time Web Analytics